Der ungeliebte Meister

Rekorde über Rekorde. Das ist der FC Bayern anno 2013.  Die Bayern verzaubern mit ihrem Fußball, eilen von Sieg zu Sieg und sind der früheste deutsche Meister aller Zeiten. Dennoch gibt es genügend Fußballfans, die den Bayern die Schale nicht gönnen. Das hat einen einfachen Grund: sie besitzen in ihrem tiefsten Inneren eine Abneigung gegen die Münchener. Im Flutlicht erklärt, warum man den deutschen Rekordmeister nicht mögen muss.triumvirat

Es gibt wohl kaum einen anderen Klub, dessen Führungsebene so von unsympathischen Grantlern durchsetzt ist, wie die des FC Bayern München. Ganz an der Spitze natürlich das Triumvirat der Antipathie, die Achse bestehend aus Hoeneß, Rummenigge und Sammer. Im Grunde genommen stellt jeder einzelne der drei einen Grund dar, warum es legitim ist, eine gewisse Abneigung gegen den deutschen Rekordmeister zu haben. Dass darüber hinaus Transrapid-Vordenker Edmund Stoiber und der Mann für die ganz harten Fakten, Ex-Chef des Focus Helmut Markwort, im Verwaltungsbeirat des Vereins sitzen, macht die ganze Truppe auch nicht gerade angenehmer. Mit Matthias „Motzki“ Sammer scheint außerdem endlich der richtige Nachfolger für Uli Hoeneß gefunden zu sein. Der tragische Held des EM-Finales 1976 in Belgrad war über viele Jahre Leiter der sogenannten „Abteilung Attacke“, die, je nach Bedarf, ganz Deutschland und teilweise sogar Europa mit ihren Giftpfeilen übersäte. Da der erste Hoeneß-Nachfolger Christian Nerlinger das Charisma einer Stubenfliege besaß und er nicht die nötige Eloquenz vorweisen konnte, brauchte es einen Mann, der in die Meckerstapfen von Hoeneß treten konnte. Sammer, der beim DFB bisweilen zu sehr aneckte, bringt neben ausgezeichneter Grantlerei außerdem eine weitere wichtige Eigenschaft mit: auch er besitzt die Qualität, seinen Kopf je nach Situation in sämtlichen Rottönen erglühen zu lassen. Das dürfte besonders für Würstchen-Mogul und Logen-Abzocker Hoeneß mit Sicherheit ein bedeutendes Kriterium gewesen sein. Das Problem der Münchener hierbei ist, dass ihre „Abteilung Attacke“ nicht nur ein gesundes Maß an Offensive und Aggressivität aufweist, sondern oftmals mit herablassenden Äußerungen über das Ziel hinaus schießt.

Wobei wir beim unversiegbaren mia-san-uliQuell des Bayern-Hasses wären: die oftmals beschworene „Mia-san-mia“-Mentalität. Das ist bayerisch und bedeutet in etwa so viel wie Hochmut oder Arroganz. Während es gegen ein gesundes Selbstbewusstsein keinesfalls etwas einzuwenden gibt, ist diese Selbstüberhöhung gepaart mit Respektlosigkeit einfach nur abstoßend. Immer dann, wenn sie erfolgreich sind, meinen die Bayern nämlich, den anderen eins reindrücken zu müssen. Anstatt sich einfach nur über den eigenen Erfolg zu freuen, tritt man weiter auf die ein, die sowieso schon am Boden liegen. Und das stößt eben bei vielen, die es nicht so mit den Münchenern halten, nicht gerade auf Gegenliebe. Deshalb braucht man sich beim FCB auch nicht wundern, dass anderen Mannschaften und deren Fans Siege gegen die Bayern ganz besonders gut schmecken, wenn man kaum einen Gegner mehr ernst nimmt und jeder Gegner schon vor dem Spiel als Laufkundschaft abgetan wird. Wenn die Bayern ihren Ansprüchen allerdings hinterherhinken, so wie die letzten beiden Jahre, ist ihre „Mia-san-mia“-Mentalität ein Schuss ins eigene Tor. Oder wie man sagen könnte, um das Phrasenschwein zu mästen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Doch nicht nur die Führungsriege und der bayerische Übermut sind eindeutige Minuspunkte: auch die Fans der Münchener machen den Klub nicht gerade sympbayern-chelsea-niederlageathischer. Das zeigt sich vor allem daran, dass die meisten Fans der Bayern nicht Fans des Vereins selbst, sondern nur Fans des Erfolgs, den der Verein verzeichnet, sind. Natürlich sind nicht alle Fans des FCB so, es gibt auch welche, denen wirklich etwas an ihrem Verein liegt. Doch um weiter munter Phrasen zu dreschen, könnte man auch sagen: diese Ausnahmen bestätigen die Regel. Was aber allgemein ein Symptom des Bayern-Virus ist, das so gute wie alle Infizierten vorweisen: die herablassende Art, mit der die Fans der Münchener über ihre Gegner herzuziehen pflegen. Sollten die kühnen Voraussagen der FCB-Anhänger allerdings einmal nicht eintreten und entgegen aller Erwartungen ein Spiel verloren gehen, so sind wahlweise der Schiedsrichter, die überhart spielenden und zu tief stehenden Gegner oder – frei nach Uli Hoeneß – der sich in miserablem Zustand befindende Platz Schuld. Aber nicht die Bayern selbst. Nein, ganz bestimmt nicht.

Stimmungsmäßig sind die Bayern in etwa im unteren Mittelfeld der Liga anzusiedeln. Auch wenn man bei Auswärtsspielen der Bayern immer wieder feststellen muss, dass die aktive Fanszene der Münchener nicht zu unterschätzen ist, so ändert dies nichts an der miesepeterigen Stimmung in der Allianz Arena. Gegen dieses zuhauf vorhandene stimmungsmäßige Negativpotential kommt die Südkurve allein einfach nicht an. Es verwundert somit nicht, dass sich der Gästeanhang akustisch oftmals besser Geltung zu verschaffen weiß, obwohl in das hinterletzte Eck des Hoeneß’schen Wohnzimmers verfrachtet. Für die Bayern-Fans ist ein Sieg so natürlich, wie es für die Fans der Fürther bis letzte Saison der Nicht-Aufstieg war. Warum sollte man sich also über einen Sieg freuen, wenn man dies doch sowieso jede Woche machen kann?

bayern-fans-traurigOftmals sagen Fans anderer Vereine, dass es leicht sei, ein Fan des FC Bayern zu sein. Diese kontern dann meist mit dem Spruch, dass man als Fan der Münchener genauso, wenn nicht sogar mehr leiden müsse, wie ja das Champions League-Finale des letzten Jahres bewiesen hätte. Dazu kann man nur sagen: die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Als Fan eines abstiegsbedrohten Bundesligisten muss man bereit sein, Woche für Woche wieder das Leid einer Niederlage zu erfahren. Die siegestrunkenen Fans der Bayern, die dieses Gefühl gar nicht kennen, reden oftmals davon, dass die Bundesliga nur eine Art Training sei und in Wahrheit „nur die ganz großen Spiele“ (O-Ton der überragenden Mehrheit der Bayern-Fans) zählen. Man konzentriert sich in München also auf das Wesentliche – was heißen soll: Champions League. Aber muss jemand, der nur auf die „ganz großen Spiele“ hinfiebert, nicht auch bereit sein, „ganz große Niederlagen“ zu erleiden? Während sich bei Fans anderer Klubs das Leid über das ganze Jahr hinweg verteilt, müssen Bayern-Fans eben damit leben, dass ihr Leid immer wieder im Mai kulminiert. Die Summe ist dieselbe, nur die Verteilung ist eine andere.uli hoeneß

Dass sich bereits der ein oder andere Spieler die Karriere durch einen Wechsel an die Isar versaut hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch die Rettungsaktionen, mit denen die Bayern anderen Vereinen schon oftmals wieder auf die Beine geholfen haben, machen den Klub nicht unbedingt sympathischer. Denn hinter dieser geheuchelten Freigiebigkeit verbirgt sich doch nichts anderes als Imagepflege auf billigste Art und Weise. Was man den Bayern diese Saison allerdings lassen muss: sportlich bewegen sie sich auf allerhöchstem Niveau. Doch der deutsche Meistertitel kann für die erfolgsverwöhnten Fans nach zwei Jahren Abstinenz allenfalls der Anfang sein. Erst die finale Phase Ende Mai wird zeigen, inwiefern diese Saison als wahrer Erfolg zu bewerten ist. Wie immer gilt also: wer im Mai lacht, lacht am besten.

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Halbfinale der Giganten?

Im Flutlicht wirft einen Blick auf die anstehenden Begegnungen im Viertelfinale der Champions League. Welche Mannschaften haben die besseren Karten?

Mit dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Real Madrid und dem FC Barcelona haben die wohl derzeit vier besten Vereine Europas – außer dem selbsterklärten Champions League-Aspiranten aus Hoffenheim – das Viertelfinale der Champions League erreicht. Und wie es das Schicksal wollte, wurde keiner dieser Giganten einem anderen zugelost. Somit darf weiterhin von einem monstermäßigen Halbfinale geträumt werden. Doch wird es wirklich ein Spaziergang für die Favoriten werden und wie realistisch erscheint somit ein Halbfinale der Giganten?

Morgen kommt es zum ersten Aufeinandertreffen der amtierenden Meister aus Spanien und der Türkei. Der Nobelklub Real Madrid empfängt Galatasaray Istanbul, das Altenheim der Champions League. Auf den ersten Blick scheint dies eine klare Angelegenheit für die Madrilenen zu sein. Sollte die Rentnertruppe aus Istanbul ronaldo-sauermorgen im Santiago Bernabeu nicht über sich hinauswachsen, wird Real sich für das Rückspiel am nächsten Dienstag eine bequeme Ausgansposition sicher können. Die Reise an den Bosporus könnte für das weiße Ballett in gewisser Weise eine Art Kaffefahrt werden. Doch auch Kaffefahrten können böse enden, vor allem wenn das Ziel die Türk Telekom Arena, eine Art Vorhof der Hölle, ist. In der Heimspielstätte von Galatasaray wurde vor gut zwei Jahren eine Lautstärke von knapp 132 dB gemessen, was etwa einem startenden Flugzeug entspricht. Die türkischen Fans werden ihre Mannschaft nach bedingungslos nach vorne peitschen. Auch für die Königlichen, denen eigentlich kein Stadion Europas fremd ist, wird dies kein Zuckerschlecken werden. Die größte Gefahr bei diesem Duell besteht folglich darin, dass sich die Spanier zu sicher sind und gedanklich schon im Halbfinale sind. Doch der türkische Meister um die Altstars Sneijder und Drogba sollte nicht unterschätzt werden, zumal auch andere Spieler wie Burak Yilmaz oder Selcuk Inan ein Spiel alleine entscheiden können. In einem Frankfurter Fast-Food Restaurant wurde ich jüngst zudem auf folgende statistische Besonderheit aufmerksam gemacht: Galatasaray hat Schalke 04 in der Champions League rausgeworfen, die Gelsenkirchener wiederum konnten in dieser Bundesliga-Saison zwei Derbysiege gegen Dortmund einfahren und die Borussen holten in der Vorrunde der Champions League vier Punkte gegen die Madrilenen. Schade, dass Fußball nicht immer so einfach ist, denn wenn die Mannschaft von Jose Mourinho den Gegner nicht unterschätzt, sollte ein Weiterkommen für den spanischen Meister kein Problem sein. Für Galatsaray, die mit ihrer Mannschaft gute Chancen auf eine Finalteilnahme in der AH-Champions League hätten, ist mit dem Viertelfinale gegen Real das Ende der Fahnenstange erreicht. Die portugiesische Zaubermaus Cristiano Ronaldo wird sich mit dem Weinen also noch etwas gedulden müssen.

Bereits heute Abend empfängt der französische Hauptstadtverein PSG das Tiki-Taka-Ensemble aus Barcelona. Äußerst brisant ist dabei, dass die Sperre des schwedischen Egozentrikers Zlatan Ibrahimovic, die er sich im Achtelfinal-Hinspiel in Valencia eingehandelt hatte, kurzfristig auf ein Spiel reduziert wurde. Somit kann der selbsterklärte beste Fußballer der Welt beim Duell gegen seinen alten Arbeitgeber, die wohl wirklich beste Mannschaft der Welt, mitwirken. Gute Erinnerungen an die katalanische Metropole dürfte er allerdings nicht allzu viele besitzen. Und auch die Aussichten für die beiden Viertelfinal-Spiel sehen nicht allzu rosig aus: das Spielzeug einer katarischen Investorengruppe quälte sich iibra-barcam Achtelfinal-Rückspiel gegen Valencia mit Mühe und Not eine Runde weiter, während Lionel Messi und Co. den Bus, den der AC Milan vor seinem Tor geparkt hatte, in seine Einzelteile zerlegten. In der Liga gehen beiden Mannschaften mit traumwandlerischer Sicherheit auf den Meistertitel zu. Auch wenn sich die Katalanen am vergangenen Wochenende einen erneuten Ausrutscher in der Liga leisteten, so scheint die Talsohle des in zwei Niederlagen gegen Erzfeind Real gipfelnden Formtiefs längst durchschritten. Zwar ist auch Paris derzeit gut in Form, doch die Mannschaft wirkt – welch Wunder – wie ein wahllos zusammengewürfelter Haufen großer Individualisten. Das mag für die Ligue 1 und für Valencia reichen, nicht aber für das katalanische Starensemble, das mannschaftlich viel geschlossener wirkt. Und über die individuellen Fähigkeiten der Spieler des FC Barcelona muss hier wohl kein Wort verloren werden. Zwar wird Carlo Ancelotti seine Mannschaft taktisch hervorragend einstellen, doch es darf bezweifelt werden, ob PSG teamtaktische Anweisungen konsequent umsetzen wird und ob sie kämpferisch dagegen halten werden. Sonst laufen sie Gefahr, Spielzeug des FC Barcelona zu werden. Auch hier, ein Ausbleiben katalanischer Hybris vorausgesetzt, sollte sich der „Gigant“ also durchsetzen können. Und Zaltan, den sie in Schweden auch Zlatan nennen, wie ein ZDF-Kommentator bei der letzten EM richtig erkannte, muss sich wohl noch etwas mit dem ersten Champions-League Titel gedulden. PSG indes sollte den Schweden am besten nach der Saison verkaufen, denn dann stehen die Chancen auf den Titelgewinn im nächsten Jahr ganz gut: jeweils im Jahr nach seinem Abschied, konnten sich seine Ex-Vereine Inter Mailand und der FC Barcelona die europäische Krone aufsetzen. Zwar wird diese Serie durch den AC Milan dieses Jahr unterbrochen, doch einen Versuch dürfte es ja wert sein.

Deutlich unberechenbarer dürfte das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Malaga werden. Zwar war man in Dortmund nach der Auslosung sichtlich erleichtert, doch so wirklich weiß niemand, was man von der spanischen Wundertüte erwarten darf. Die finanzielle Situation bei den Andalusiern ist weiterhin arg angespannbvb-clt. Diese Zeiten, die in Dortmund auch nicht allzu unbekannt sein dürften, hat der BVB aber glücklicherweise schon hinter sich. Sportlich wird es mit Sicherheit ein spannendes Duell: die Borussen sind in dieser Saison auf europäischer Bühne schon das eine oder andere Mal über sich hinausgewachsen und verfügen über eine Mannschaft, die sich berechtigte Hoffnungen auf das Halbfinale machen darf. Auch Malaga konnte – in einer jedoch zugegebenermaßen etwas schwachen Gruppe mit Milan, Anderlecht und Zenit – überzeugen und zog verdient ins Achtelfinale ein, wo dann der FC Porto besiegt wurde. Die Andalusier verfügen mit Spielern wie Isco, den Altstars Saviola und Toulalan, und den Ex-Bayern Demichelis und Santa Cruz über eine hohe Qualität im Kader und werden somit keine Laufkundschaft für den BVB sein. Auch wenn die Dortmunder als leichter Favorit ins Rennen gehen und auf jeden Fall in der Lage sind, die Erkundungsfahrt des FC Malaga in der Champions League zu beenden, so wird es doch ein umkämpftes Duell werden, an dessen Ende die Dortmunder wahrscheinlich als Sieger den Ring verlassen dürften.

Beim Gedanken ans letzte Aufeinandertreffen bekommt Gianluigi Buffon noch heute Rückenschmerzen, wie der Juve-Torwart auf der Pressekonferenz vor dem Hinspiel in München verriet. Doch so deutlich wie damals in Turin, als Hans-Jörg Butt die Bayern mit einem verwandelten Strafstoß auf die Siegerstraße brachte, wird es in den beiden kommenden Duellen zwischenbayern-juve dem italienischen und dem deutschen Rekordmeister wohl nicht werden. Bayern-Fan Simon „Birdie“ Lanfermann erklärte vor wenigen Wochen in einem Interview mit Im Flutlicht, dass sich die Münchener zwar vor niemandem fürchten müssten, doch dass ein Duell mit einer italienischen Mannschaft ihm und wohl auch anderen Bayern-Fans einige Sorgenfalten auf die Stirn treiben würde. Durchaus verständlich, denn das wirklich letzte Aufeinandertreffen gab es eigentlich bei der EM letzten Jahres, als Deutschland in Warschau gegen Italien Baden ging. Klingt komisch? Ist aber gewissermaßen so! Denn grundsätzlich verkörpern die beiden Nationalmannschaften die Spielsysteme dieser beiden Topklubs. Dass Jogi Löw sich gerne am Bayern-Block bedient und auch nahezu dasselbe System wie Bayern-Trainer Jupp Heynckes spielen lässt, dürfte nicht allzu neu sein. Doch auch Italien-Coach Cesare Prandelli greift mit dem 3-5-2 auf ein System zurück, das für den amtierenden Meister Juventus typisch ist. Meist bilden sogar die drei Juve-Abwehrrecken Barzagli, Bonucci und Chiellini die Dreierkette in der Nationalmannschaft und neben Buffon im Tor bekleiden mit Andrea Pirlo und Claudio Marchisio zwei Schlüsselspieler der alten Dame wichtige Positionen im zentralen Mittelfeld. Offensiv sollten sich die Italiener am HSV orientieren, der jüngst vormachte, wie man zwei Tore gegen die Bayern in einem Auswärtsspiel schießt. Defensiv sollte sich das von Antonio Conte trainierte Team allerdings ein anderes Vorbild suchen bzw. genau das Gegenteil tun, was die Hamburger am letzten Wochenende in München versuchten. Heynckes indes sollte sich nicht an Löw’schen Spielereien à la Kroos auf Rechtsaußen versuchen, sondern effektivere Mittel finden, um die Kreise von Juve-Regista Andrea Pirlo zu stören. Denn es wird ein entscheidender Faktor sein, wie und ob die Münchener es schaffen werden, den mit chirurgischer Präzision arbeitenden Ballverteiler der Turiner an seiner Arbeit zu hindern. Insgesamt verfügt Bayern wohl über mehr spielerische Klasse als die Alte Dame, doch sollte Juventus im Stile italienischer Mannschaften eine taktisch einwandfreie Leistandreaung darbieten, wird es für die erfolgsverwöhnten Bayern alles andere als ein Honiglecken werden. Die Bayern sollten geduldig und ruhig bleiben, und Manuel Neuer in seinem Tor.

Alles in allem erscheint ein Halbfinale der Giganten durchaus realistisch. Real, Barcelona und Dortmund gehen als Favoriten in die jeweiligen Duelle, beim Aufeinandertreffen Bayern – Juventus stehen die Chancen etwa 50:50. Zwar hat die Alte Dame den Vorteil im Rückspiel Heimrecht zu besitzen, doch daraus kann genauso schnell ein Nachteil werden, da Auswärtstore der Bayern beim Spiel am nächsten Mittwoch dann im wahrsten Sinne des Wortes doppelt so weh tun. Sinn und Unsinn der Auswärtstorregel seien da mal außen vor. Was jedoch ein Halbfinale der Giganten weniger wahrscheinlich erscheinen lässt, ist das eherne Gesetz des Fußballs, dass sich meist nicht alle Favoriten durchsetzen können. Somit besteht auch und zurecht Hoffnung für Galatasaray, PSG und den FC Malaga, das Halbfinale der Champions League wider Erwarten vielleicht doch zu erreichen.

Der ewige Oka

Durch die Verletzung von U-21 Nationaltorhüter Kevin Trapp wird das Eintracht-Urgestein Oka Nikolov für den Rest der Saison das Tor der Frankfurter hüten. Am Sonntag in Fürth wird er seine Rückkehr feiern. Ein Portrait der treuen Seele der Frankfurter Eintracht.

„Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Oka nicht.“ Diesen Gesang wird man von den Anhängern der SGE in den restlichen Spielen dieser Saison noch öfter hören. Er ist eine Hommage an den nunmehr dienstältesten aktiven Profi der Bundesliga. Nikolov ist das, was man eine Legende nennt. Er spielte bereits bei Eintracht Frankfurt, da war mir der Fußball noch fremd, und ich wahrscheinlich sogar meinen Eltern. Schon seit 1991 spielt der Man, der meist ein gelbes Trikot trägt, oka-old in Frankfurt, damals noch in der Jugend. Ab 1992 stand der Deutsch-Mazedonier, der in Hessen geboren ist, im Tor der Eintracht-Amateure und ab 1994 dann auch im Kader der Profis. Als Stammtorhüter Andreas Köpke die Frankfurter nach deren ersten Abstieg aus der Bundesliga 1996 verließ, hatte die Stunde von Oka Nikolov geschlagen. Fortan war er der Mann zwischen den Pfosten bei der Diva vom Main und bis heute absolvierte er 371 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga für die Eintracht-Profis. Nimmt man Spiele im DFB-Pokal, für die Jugend und die Amateure der Eintracht hinzu sind es fast 500 Spiele, in denen er für den Verein das Tor hütete. Falls sich jemand in besonderer Weise für die Zeit interessiert, seit der man die SGE in gewisser Weise als einen Fahrstuhlverein bezeichnen kann, der sollte sich an den Deutsch-Mazedonier wenden. Schließlich ist er der einzige Spieler, der alle Ab- und Aufstiege (jeweils vier) der Eintracht als aktiver Spieler miterleb hat. Wobei diese sportliche Sinuskurve der SGE sicher nicht an Nikolov allein festzumachen ist, schließlich war er stets ein verlässlicher Rückhalt für seine Mannschaft.

nikolov-pröllNikolov hat in Frankfurt schon viele Torhüter kommen und gehen gesehen. Und er hat sie bisher alle überlebt. Schon oftmals verpflichtete die Eintracht neue Stammtorhüter und wollte sie dem Urgestein vor die Nase setzen. So musste er sich zeitweise hinter Dirk Heinen und auch später Markus Pröll als Nummer Zwei abfinden, doch er kam immer wieder zurück. Im Falle Prölls profitierte Nikolov von dessen Verletzungen, so dass sich Pröll trotz teilweise überragender Leistungen auf lange Sicht nicht gegen ihn durchsetzen konnte. Auch junge, hoffnungsvolle Talente wie Ralf Fährmann oder Thomas Kessler in der abgelaufenen Saison scheiterten an ihm und mussten sich ihm allesamt geschlagen geben. Mit Kevin Trapp scheint nun allerdings ein Torwart verpflichtet worden zu sein, der Nikolov dauerhaft beerben könnte. Doch das hat man sich in Frankfurt schon oftmals gedacht und am Ende stand dann doch wieder Oka Nikolov im Tor.

Eine legendäre Leistung bot das Eintracht-Urgestein in einem Spiel bei den Bayern im Spätherbst 2007. Geschätzte zehn Sekunden nach Anpfiff kam Luca Toni frei vor dem Tor zum Abschluss, doch reaktionsschnell verhinderte Nikolov den schnellen Rückstand durch eine Glanzparade. Genauso sollte es die folgenden 90 Minuten weitergehen. Die Bayern hatten am Ende satte 40 Torschüsse zu Buche stehen, doch kein einziger fand den Weg ins Tor der Frankfurter, da Nikolov an diesem Tag schier nicht zu bezwingen war. Ich persönlich erlebte dieses Spiel live in der Münchener Allianz Arena. Trotz Dauerbeschuss des Eintracht-Gehäuses war ich das ganze Spiel über total relaxt, da mit einem Nikolov in dieser Verfassung einfach nichts anbrennen konnte. Wenn man sich die kicker-Noten zu diesem Spiel ansieht, weiß man, dass kein Torhüter ein Spiel mehr allein entscheiden kann, als Nikolov es in diesem Fall tat. Alle Feldspieler der Eintracht erhielten kollektiv Noten zwischen fünf und sechs. Oka aber hatte sich seine eins mit Sternchen redlich verdient und wurde natürlich auch zum „Mann des Tages“ gewählt. Doch leider bleibt Oka den Frankfurter Fansoka1 nicht nur durch solche fast übermenschlichen Taten in Erinnerung. Immer wieder streute er haarsträubende Patzer ein, die die Mannschaft oftmals wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg kosteten. Von Ball durch die Hosenträger bis zu kläglichen Klärungsversuchen á la Manuel Neuer ist der treuen Seele der Eintracht schon so einiges widerfahren. Dennoch überwiegen klar die positiven sportlichen Momente und vor allem die Tatsache, dass man sich immer auf Nikolov verlassen kann, dass er immer sofort da ist, wenn man ihn braucht. Und deswegen lieben sie ihn in Frankfurt.

Überhaupt gibt es in der heutigen Zeit kaum mehr Spieler, die einem Verein so treu bleiben wie Nikolov. Ausnahmen wie auch Francesco Totti, der mittlerweile seit 20 Jahren bei den Profis der Roma kickt, bestätigen die Regel. So gesehen ist der „ewige Oka“ auch ein Antiheld des modernen Fußballs. Ein Außenseiter im Zeitalter der Millionenverträge. Während andere Profis wie Prostituierte von Bett zu Bett hüpfen, bleibt Oka seiner Eintracht treu. Natürlich ist es mit so einer launischen Diva wie der Eintracht nicht immer leicht, doch Nikolov ist der lebende Beweis, dass es möglich ist und sogar schön sein kann, Seite an Seite alle Höhen und Tiefen zu durchleben. Und schließlich ist der nicht zu verachtende Lohn dafür, dass sie ihn in Frankfurt für immer in ihr Herz geschlossen haben. Oka Nikolov ist die fleischgewordene Fußballlegende und zeigt, dass man auch ohne große Erfolge zum Helden werden kann. Zwar hat er nie einen Pokal gewonnen und auch eine Karriere in der mazedonischen Nationalmannschaft blieb ihm verwehrt, doch er ist in größerem Maße eine wahre Legende des Fußballs als man vielleicht denken möchte. Er lebt den Fußball und seine Werte mehr als so manch anderer Profi dieser Welt. Mehr als all die Ibrahimovics, Neymars und Balotellis dieser Welt zusammen.

Schlammschlacht

Kürzlich meinte Uefa-Präsident Michel Platini, dass man „im Sommer in Katar unmöglich Fußball spielen kann“. Der Franzose sprach aus, was sich ein Großteil der Fußballfans dieser Welt schon bei der Vergabe an den Wüstenstaat Katar gedacht hatte. Dass Platini betonte, dass es dabei vorrangig um die Gesundheit der Fans und nicht etwa der Spieler oder Funktionäre ginge, war ebenso verwunderlich. Zudem sorgte er mit der Aussage für einige Verwirrung, da er selbst für die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar gestimmt hatte. Er wollte damit jedoch nicht die Richtigkeit seiner eigenen Entscheidung anzweifeln, vielmehr musste man dieses Statement als eine Verbalattacke in Richtung Sepp Blatter verstehen. Der Schweizer kritisierte nämlich jüngst die Entscheidung, die Europameisterschaft 2020 in mehreren Ländern auszutragen. Ein paneuropäisches Turnier wäre laut Blatter „eine Euro ohne Herz und Seele“. Aus dem Munde eines Mannes wie Blatter, der seine Seele schon vor langer Zeit verkauft zu haben scheint, wirkt dieser Satz äußerst merkwürdig.

Schließlich hatte Blatter selbst schon den ein oder anderen Vorschlag, um den Fußball mal so richtig zu revolutionieren. Meistens sprühten seine Vorschläge derart vor Kreativität, dass man sich kaum vorzustellen vermochte, wo er diese hernahm. Um das Spiel interessanter und spannender zu machen, schlug Blatter einst vor, dass man doch die Tore vergrößern könnte. Mal abgesehen davon, dass in einem unterhaltsamen Fußballspiel nicht zwangsläufig viele Tore fallen müssen, wären auch wohl einzig und allein die Hersteller von Fußballtoren die Nutznießer einer solchen Regeländerung gewesen. Vielleicht wäre der Schweizer, der seit gefühlten 100 Jahren den Weltfußball bestimmt, ja genau der richtige Mann für den Problemflughafen BER. Im Tandem mit Ex-Bahnchef Mehdorn würde er seine blühende Fantasie mit Sicherheit gut zur Geltung bringen können.

Auf den ersten Blick wirkt da das Verhalten von Uefa-Chef Platini ganz anders: er will moderner sein, wirkt charmanter und nahbarer als der Fifa-Boss. Dabei hat er es auch Blatter zu verdanken, dass er jetzt einer der einflussreichsten Funktionäre des Weltfußballs ist. Doch wenn man genauer hinschaut, ist man sich nicht mehr ganz so sicher was man von dem Franzosen halten soll: er versucht sich einerseits zwar deutlich von Sepp Blatter und dessen Stil abzugrenzen, doch dann und wann scheint auch der Franzose nicht Herr seiner Sinne zu sein und die Großmannssucht überkommt ihn. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass auch Platini so revolutionäre Ideen, wie die einer paneuropäischen EM, verbreitet. Während bei Sepp Blatter eigentlich gar niemand mehr daran zweifelt, dass er korrupt ist, so machte Platini doch lange Zeit einen deutlich seriöseren Eindruck. Doch genauso wie die WM 2010 in Südafrika ein Wahlgeschenk Blatters für die afrikanischen Funktionäre war, so war die Euro im letzten Jahr ein Wahlgeschenk für die osteuropäischen Verbände.

Zudem machte Platini senior in letzter Zeit vor allem wegen verschiedener Geschichten seines Sohnes keine gute Figur. Es mutet doch äußerst merkwürdig an, dass sein Sohn zufälligerweise kurz nach der Vergabe der WM 2022 an Katar bei der dort ansässigen „Qatar Sports Investment“ Gruppe einen Job bekam. Wenn man weiß, dass diese Investorengruppe unter einer Decke mit dem französischen Klub PSG steckt, verwundert es auch nicht, dass Platini zwar stets von einer harten Durchsetzung des Financial Fair Play spricht, den Worten aber noch nicht so wirklich Taten folgen lässt. Bisher wurde lediglich am FC Malaga ein prominentes Exempel statuiert, ansonsten wurden lediglich Vereine aus Kroatien, Serbien, Rumänien, Polen und der Ukraine sanktioniert. Es verwundert also nicht, dass noch viele Fußballfans, gerade aus Deutschland, an einer gewissenhaften Umsetzung des Financial Fairplay zweifeln.

Somit wirkt die aktuelle verbale Auseinandersetzung zwischen Blatter und Platini wie der Streit zweier Kindergartenkinder, die gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen und den jeweils anderen beschuldigen, dass er angefangen hätte. Dass man selbst Dreck am Stecken haben könnte und zuerst mal vor der eigenen Tür kehren sollte, daran denken die beiden machtbesessenen Dickköpfe nicht. Man sieht nur die Fehler des anderen, für die eigenen ist man blind. Schlussendlich zeigt dieses ständige Hin und Her, dass die mächtigen Funktionäre des Weltfußballs gar nicht die Ziele verfolgen, derentwegen sie ihr Amt bekleiden. Vielmehr ist es ein irrsinniges Rennen um Macht, Geld und Ansehen. Der Sport bleibt dabei auf der Strecke. Er und seine Fans sind die großen Verlierer.

Sonntags in der Rosenau

Das Titelbild des Blogs verrät es schon: Autor Chris Katongo hat eine ganz besondere Beziehung zum Rosenaustadion in Augsburg. Eine LiebeserkläruRosenau1ng.

Es war an einem kühlen Freitagabend im Februar 2007, der Zweitliganeuling aus Augsburg hatte die Spielvereinigung aus Unterhaching zu Gast. Für beide Mannschaften ging es um wichtige Punkte gegen den Abstieg. Die Spieler jedoch passten sich den Außentemperaturen an und dementsprechend zäh war das Geschehen auf dem Platz anzusehen. Um es freundlich zu formulieren: man hätte diese 90 Minuten durchaus angenehmer als im Stehblock P des Rosenaustadions verbringen können. Daher ist es kaum vorstellbar, dass sich heute noch irgendjemand an diesen Zweitligakick erinnern wird. Außer mir. Denn für mich war es das erste Spiel in der altehrwürdigen Rosenau und sollte auch nicht das letzte bleiben.

Als Exil-Frankfurt-Fan besuchte ich damals ab und an die Gastspiele der Eintracht in nahegelegenen Städten wie München, Stuttgart oder Nürnberg, meistens jedoch verbrachte ich das Wochenende auf den Sportplätzen in der Region. So klang es ganz verzaubernd, als mein Freund, seines Zeichens Fan der SpVgg Unterhaching, mich fragte, ob wir zum Spiel seiner Hachinger beim FC Augsburg fahren wollten. Ein Zweitligaspiel als Abwechslung zum sonntäglichen Gebolze in der A-Klasse würde ja sicher nicht schaden. Die Augsburger schafften vor der Saison den lange ersehnten Sprung in den Profifußball, hatten sie zuvor doch jahrelang vergeblich versucht, dem Morast des Regionalliga-Fußballs zu entfliehen. So machten wir uns in Begleitung meines Vaters, der auch scharf darauf war, wieder mal in den Genuss von höherklassigem Fußball zu kommen, am späten Nachmittag auf in Richtung Augsburg.

Wie gesagt, das Spiel konnte mich nicht in seinen Bann ziehen, doch das Stadion wusste zu gefallen. Das Rosenaustadion ist eine offene Betonschüssel, lediglich die Haupttribüne verfügt über ein Dach und wie nahezu alle älteren SRosenaustadion_Haupttribünetadien hat es eine Laufbahn. So waren auch an jenem Abend die Zuschauer auf den Stehrängen Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Doch irgendwie fühlte es sich gut an: denn einem jeden auf den Tribünen musste klar werden, für was man hier war. Man wurde sich dessen bewusst, warum man ins Stadion ging: um ein Fußballspiel zu sehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein Gefühl, das die modernen Rundum-Wohlfühl-Arenen kaum noch vermitteln können. Die Rosenau schaffte es, mich ganz und gar zu verzaubern. Es war großartig mitanzusehen, wie ein Mann nach jedem Tor die Schilder an der Anzeigetafel austauschen musste, da das Stadion keine elektronische besaß. Am auffälligsten waren dabei für mich die Flutlichmasten, die dem Spiel Licht spendeten. Sie boten einen prächtigen Anblick. Es faszinierte mich, wie sie nach oben ragten und förmlich über dem Stadion thronten. Sie erzeugten eine wohlige Atmosphäre und waren ganz klar die Gewinner an diesem Freitagabend. Es waren diese Kleinigkeiten, die den Charme des Stadions ausmachten. Für mich wurde das Stadion noch an diesem Abend zum Inbegriff der Fußballromantik. Außerdem hatte ich mich irgendwie verliebt. Doch nicht, wie es üblicherweise der Fall ist, in einen Verein. Nein, meine Herzensdame war auch damals schon die Eintracht aus Frankfurt. Aber so wie sich einst Nick Hornby in den FC Arsenal verliebt hatte, so erging es mir mit dem Rosenaustadion.

Während der darauffolgenden Zweitliga-Jahre des FC Augsburg zog es mich immer wieder in die Rosenau. Mal spielte der FCA grandios auf, wie bei einem überraschenden Sieg im Frühjahr 2007 über den späteren Aufsteiger aus Karlsruhe. Es gab aber auch Tage, wie bei einem Spiel gegen den 1. FC Köln im Mai 2008, da gelaRosenau-anzeigetafelng den Spielern auf dem Platz so gut wie gar nichts. Doch auf eins konnte man sich immer verlassen: auf die Atmosphäre im Rosenaustadion. Auch wenn die Augsburger bekanntermaßen nicht gerade über die größten Scharen an Anhängern verfügen, so war auf den Tribünen doch immer was geboten. Es war eine bunte Mischung aus Ultras, alteingesessenen Fans, Rentnern, die meckerten und doch beim nächsten Spiel wieder anwesend waren, Familien mit ihren Kindern. Auch waren einige dabei, für die der Stadionbesuch augenscheinlich den Ersatz für den sonntäglichen Aufenthalt im Wirtshaus darstellte. So unansehnlich das Gegurke auf dem Platz bisweilen auch war, das Stadion versprühte immer seinen unwiderstehlichen Charme. Besonders war auch, dass man den Geist des Spiels auf den Tribünen immer spüren konnte. Ja, man konnte ihn förmlich atmen, denn hier wurde geschimpft, gesungen und gejubelt. Der Fußball in seiner reinsten Form, Emotionen pur. Schließlich wusste man, hier geht es um Fußball und um nichts anderes.

Irgendwann entschloss sich der FC Augsburg dann, ein neues Stadion zu bauen und zog im Sommer 2009 um. Damit waren die schönen Zeiten in der Rosenau vorbei. Im neuen Stadion war ich erst einmal. Wer den FCA im Rosenaustadion hat spielen sehen, dem tut es innerlich weh, ein Spiel in der neuen Arena zu besuchen. Schließlich könnte diese genauso in Hoffenheim, Rostock oder Aachen stehen. Verwechslungsfaktor: 100%. Auch wenn die Rosenaustadion_Nordkurveneue Arena den Fan näher ans Spiel bringt, so besitzt sie nicht annähernd so viel Charme wie die alte Rosenau, deren Einzigartigkeit, nun ja, einzigartig ist.

Im letzten Jahr kehrte ich im Rahmen eines Flag-Football-Turniers zurück in die Rosenau. Mein letzter Besuch war lange her. Wer oder was Flag-Football ist, tut hier nichts zur Sache. Auch ich tat mich an jenem Tag schwer, mich auf das Sportliche zu konzentrieren. Schließlich stand ich zum ersten Mal auf dem Rasen des Rosenaustadions, das für mich quasi zu einer heiligen Stätte geworden war. Und diesmal stand ich nicht irgendwo in Block Q, sondern dort, wo eigentlich immer nur die Spieler waren. Die Wolken hingen an diesem Tag tief über der Stadt und immer wieder regnete es. Gedankenverloren schlenderte ich über den Platz. Auch wenn an diesem Tag nicht eine Menschenseele auf den Stehrängen zu sehen war, so erblickte ich vor meinem geistigen Auge ein rot-grün-weißes Fahnenmeer. Menschen, die sich auf ein Zweitligaspiel freuten. Es waren Erinnerungen an meine früheren Zeiten in der Rosenau. An einen Ort, wo der Fußball noch Fußball war. Roh, wild, emotional.

Entzaubert

Bis zuletzt schien die katalanische Übermannschaft auf dem Weg zu einer weiteren Rekordsaison. Doch innerhalb der letzten beiden Wochen haben sich die Vorzeichen schlagartig verändert.

Pünktlich zu Saisonbeginn hatte der FC Barcelona seine Tici-Taca-Maschine wieder angeworfen. Dazu ein Lionel Messi, der spielte wie von einem anderen Stern und im abgelaufenen Kalenderjahr so viele Tore erzielte, wie noch nie ein Spieler zuvor. Das Barca unter Tito Vilanova schien unaufhaltsam, der Weg zum Gewinn des Tmessi-barcariples geebnet. Woche für Woche wurden die meist hilflos und überfordert wirkenden Gegner in La Liga von der katalanischen Pressingmaschinerie überrollt. Lediglich einmal wurde die ansonsten makellos weiße Weste des FC Barcelona befleckt: das Champions League Auswärtsspiel beim Celtic FC ging mit 1:2 verloren, was dem Erfolgserie der Katalanen in der heimischen Liga jedoch auch keinen Abbruch tun sollte. In der Hinrunde musste man sich nur im Clasico mit einem Unentschieden zufrieden geben, ansonsten wurde alles gnadenlos in Grund und Boden geballert. Zudem schien es so, als hätte man den Abgang von Trainerlegende Pep Guardiola problemlos kompensiert. Mehr noch: man konnte sogar den Eindruck gewinnen, dass sich die Mannschaft unter dem neuen Mann an der Seitenlinie, Tito Vilanova, weiterentwickeln würde. Der FC Barcelona in der Ära nach Guardiola schien flexibler, variabler und anpassungsfähiger als zuvor. Was eine bedeutende Entwicklung darstellen sollte, denn schließlich scheiterte man in der abgelaufenen Saison im Halbfinale der Champions League vor allem deswegen, da es zum bekannten Tici-Taca schlicht und einfach keinen Plan B gab.

Der erste, kleinere Rückschlag in dieser Saison erfolgte Mitte Januar: Barca musste die erste Niederlage der laufenden La Liga-Spielzeit hinnehmen. Trotz eines eigentlich komfortablen 2:0 Vorsprungs musste man sich Real Sociedad am Ende mit 2:3 geschlagen geben. Doch gleich am nächsten Spieltag wurde CA Osasuna im heimischen Camp Nou standesgemäß mit 5:1 zerlegt und wieder nach Hause geschickt. Auch auf das folgende Unentschieden in Valencia hatte man die passende Antwort parat, der Getafe CF wurde zuhause mit 6:1 vermöbelt. Insgesamt schien es so, als würde es der FC Barcelona in der Liga nun ein wenig schleifen lassen, was angesichts des riesigen Vorsprungs auf den ärgsten Verfolger, Atletico Madrid, allerdings nicht weiter verwunderte. Zudem hatte man den entscheidenden Teil der Saison, die oftmals beschworene „heiße Phase“ noch vor sich, was ein mögliches Schonen der auch in Barcelona nur begrenzt vorhandenen Kräfte logisch erscheinen ließ. Doch genau jetzt, da diese wichtige Phase der Saison begonnen hat, scheint den Katalanen die Puste auszugehen? Oder flattern die Nerven? Fakt ist, dass die Katalanen gerade im Begriffe sind, eine möglicherweise überragende Rekordsaison zu einer überaus enttäuschenden Spielzeit werden zu lassen. Und darüber kann auch die fortwährende Dominanz in der heimischen Liga nicht hinwegtäuschen.

Vor gut zwei Wochen trat Barca zum Hinspiel des Champions League-Achtelfinales beim AC Milan an. Xavi, Iniesta und Co. gingen als klarer Favorit in die Partie und auch das Ergebnis war mehr als klar: die Itabarca-milanliener verteidigten stark und nutzen ihre Chancen gnadenlos aus, so dass am Ende ein nicht unverdienter 2:0-Sieg für die Lombarden stand. Zwar spielte sich der FC Barcelona in gewohnter Manier am gegnerischen Strafraum fest, doch man biss sich an der massiven, gut stehenden Defensive von Milan die Zähne aus. Was die Zuschauer jedoch viel mehr erstaunen ließ, war die Ideenlosigkeit der Katalanen, denn die Offensive um Superstar Lionel Messi blieb an diesem Abend erstaunlich blass. Hochwertige Chancen waren Mangelware, das Tor von AC-Schlussmann Abbiati geriet nur wenige Male ernsthaft in Gefahr. Natürlich ist es durchaus möglich, dass die Katalanen dieses Ergebnis im Rückspiel noch umbiegen, schließlich wurde der Auftritt im Camp Nou schon für mehrere Teams zu deren schlimmstem Albtraum. Die Bayern von 2009 können ein Lied davon singen, aber auch Milan bekam erst in der letzten Saison ziemlich übel auf die Mütze. In der Champions League scheint für Barca noch nicht alles verloren, jedoch bedarf es im Rückspiel gegen die Italiener einer weiteren dieser verzaubernden Europapokalnächte, für die die Katalanen ja bekannt sind. Wenn Lionel Messi es wieder einmal schaffen sollte, die Zuschauer mit unwiderstehlichen Dribblings und Traumtoren zu verzücken, so dass ihm die ganze Welt zu Füßen liegt, dann sollte ein Weiterkommen für die Blaugrana möglich sein.

Doch diese herbe Pleite gegen die Mailänder stellt nur den kleineren Schandfleck dar, zumal das Aus der Katalanen aufgrund des ausstehenden Rückspiels noch keineswegs besiegelt ist. Schwerer wiegen da die Ereignisse der letzten Woche: zwei bittere Clàsico-Schlappen binnen weniger Tage. Zunächst die Niederlage im Halbfinal-Rückspiel der Copa del Rey, dann die Pleite im Ligaspiel bei Real Madrid. Die Pokalschlappe war eines der schwächsten Spiele Barcelonas der letzten Jahre und das Ligaspiel ging verloren, obwohl Real-Coach Mourinho einige seiner wichtigsten Stammkräfte schonte. Während die Königlichen in Mourinhos Premierensaison gegen den FC Barcelona immer den Kürzeren zogen, bis auf das Pokalfinale, so scheint es nun so, als hätte Mourinhos Real den Erfolgschlüssel der Katalanen decodiert. Obwohl Real bedeutend schwächer zu sein scheint als letzte Saison, konnten sie Barca diese Saison erfolgreich die Stirn bieten: Sieg in der Supercopa, Einzug ins Finale der Copa del Rey und vier Punkte aus den beiden Ligaspielen. Deshalb tun diese beiden Niederlagen umso mehr weh. Statt Wiedergutmachung müssen nun noch tiefere Wunden geleckt werden. Was außerdem erstaunlich erscheint, ist, dass Real mittlerweile gegen die Katalanen nicht nur auf Spielzerstörung aus ist, sondern dem Erzrivalen auf Augenhöhe begegnet und seinerseits spielerisch aktiv wird. Es scheint, als wäreclasico1 die Dominanz des FC Barcelona dahin, der Zauber des Tici-Taca durch Taktik-Guru Mourinho gebrochen.

Alles in allem scheint es nun so, als stünde der FC Barcelona nach den Ereignissen der letzten beiden Wochen bereits vor den Trümmern einer noch nicht einmal beendeten Saison, die zudem so gut begonnen hatte. Der Ligatitel ist den Katalanen so gut wie sicher, doch damit allein gibt sich bei der Blaugrana niemand zufrieden. Somit bleibt Barca vorerst noch ein Spiel, nämlich das Rückspiel gegen den AC Milan, um alle Kritiker Lügen zu strafen und zu zeigen, dass der Schein trügt und die erfolgreiche Ära des FC Barcelona noch lange nicht zu Ende sein muss. Falls sie dieses Ziel verfehlen sollten, werden sie sich allerdings unangenehmeren Fragen stellen müssen, wie zum Beispiel jener, ob der Tici-Taca à la Barcelona wirklich der Fußball der Zukunft ist.

Mythos Fünfjahreswertung

Immer wieder bekommt man erzählt, dass man aufgrund der Fünfjahreswertung doch international zu den deutschen Klubs halten sollte. Im Flutlicht erklärt, warum die Länderwertung jedoch gar nicht so toll und wichtig ist, wie sie zu sein scheint.

Für die meisten Fußballfans hierzulande gilt, dass international immer zu den deutschen Mannschaften gehalten wird. So kommt es, dass sich Fans des 1. FC Köln plötzlich über Siege der Gladbacher Borussia freuen, oder Anhänger des TSV 1860 auf einmal den „Roten“ aus der bayerischen Landeshauptstadt die Daumen drücken. Eigentlich undenkbar, doch die Fünfjahreswertung der UEFA macht’s möglich. Kurz gesagt: wo eigentlich Rivalitäten vorherrschen, entstehen plötzlich Gemeinsamkeiten, aus den größten Feinden werden die besten Freunde. Damit scheint die Länderwertung all das zu verwirklichen, was kein Sicherheitskonzept der Welt zu erreichen scheint: Fußballfans rivalisierender Vereine in völlig friedlicher Koexistenz. Natürlich entspricht das nicht ganz der Wirklichkeit, denn es gibt genug Fans die immer gegen den verhassten Erzfeind sind, egal ob auf nationaler oder europäischer Ebene. Faszinierend ist dennoch, wie viele Fußballfans sich an diesem Grundsatz orientieren, international den deutschen Teams verbunden zu sein und ihnen die Daumen zu drücken.

Nun gibt es mehrere Gründe, warum sich Fans so verhalten, doch immer spielt dabei die Fünfjahreswertung eine zentrale Rolle. Zunächst liegt es eben vor allem an der Fünfjahreswertung, dass die Vergleiche europäischer Klubwettbewerbe plötzlich zum Kräftemessen zwischen den Nationen werden. Somit gewissermaßen die perfekte Spielwiese für Patrioten. Gerade in Deutschland, wo Patriotismus immer noch ein schwieriges Thema ist, ist Sport, insbesondere der Fußball, für viele identitätsstiftend. Vor allem seit der Weltmeisterschaft 2006 ist zu beobachten, dass viele Menschen ihre Liebe zum eigenen Land durch Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft zum Ausdruck bringen. Aber auch die Solidarisierung mit anderen Klubs aus Deutschland bei internationalen Partien ist in gewisser Weise Ausdruck von Nationalstolz. Zudem stellt es in diesem Zusammenhang kein Problem dar, wenn das nationale Interesse in den Mittelpunkt gerückt wird. Wobei die Frage bleibt, warum jemand, der mit Patriotismus nicht so viel am Hut hat, den deutschen Klubs die Daumen drücken sollte.

Auch der nächste Grund steht bedeutend im Zusammenhang mit der Fünfjahreswertung. Viele Fans fiebern mit den deutschen Mannschaften, da sich ihrer Meinung nach somit die Chancen erhöhen würden, dass das eigene Team in den nächsten Jahren vielleicht mal international mitmischt, weil die Bundesliga über mehr Startplätze verfügt. Grundsätzlich nicht falsch gedacht, aber ganz nüchtern betrachtet gibt es allerdings nur wenige Gründe aus diesem Anlass für die deutschen Mannschaften zu sein, denn es hängt auch noch wesentlich davon ab, von welchem Klub man Fan ist. Einerseits kann es Anhängern von Arminia Bielefeld oder dem VfL Osnabrück ganz egal sein, wie sich die deutschen Mannschaften in der Champions League schlagen. Andererseits erfahre ich als Fan der Frankfurter Eintracht derzeit, dass es doch gar nicht so unwichtig ist, dass der vierte Platz zur Qualifikation für die Champions League berechtigt. Wobei man aber nicht vergessen sollte, dass diese Situation durch die sportliche Leistung der Eintracht und nicht durch Daumendrücken für den FC Bayern entstanden ist. Dies gilt auch ganz besonders für den VfL Wolfsburg oder dem vor der Saison selbsterklärten Europapokal-Aspiranten TSG Hoffenheim, denn wer auf europäischer Bühne mitmischen will, muss sich zunächst sportlich dafür qualifizieren. Da hilft es nichts, wenn man international die anderen deutschen Klubs unterstützt. Deshalb sollten Anhänger einiger Vereine eher hoffen, dass die vereinseigenen Funktionäre in Zukunft ein glücklicheres Händchen beweisen, anstatt zu glauben, dass man auch bald international spielen werde, wenn man international die anderen Mannschaften aus Deutschland unterstützt.

Auch wird immer wieder angeführt, dass die Fünfjahreswertung den Wettbewerb beleben würde und es schwächeren Ländern ermöglichen würde, mehr Startplätze zu erhalten. Dabei ist es gerade die Länderwertung selbst, die den Wettbewerb stark einschränkt. Zwar ist es möglich, dass sich Länder in der Fünfjahreswertung durch eine erfolgreiche Spielzeit kurzfristig nach oben schieben, langfristig jedoch kann sich kaum eine Nation bedeutend verbessern. Schließlich heißt es ja auch Fünf- und nicht Einjahreswertung. Womit klar wird, dass ganz entscheidend ist, dass durch die Beurteilung langfristiger Zeiträume die Verteilung der Startplätze relativ starr bleibt, Diese Tatsache hilft vor allem den Vereinen aus den großen Nationen, da diese dadurch mit einer gewissen Sicherheit mit den Einnahmen aus dem internationalen Geschäft planen können. Somit hilft die Fünfjahreswertung nicht den schwächeren Nationen, sondern sie sorgt dafür, dass die Verhältnisse und Strukturen größtenteils unverändert bleiben. Nun könnte man dem entgegen halten, dass es z.B. noch nie ein Team geschafft hat, den Titel des Champions League-Siegers zu verteidigen, was ja eigentlich für einen spannenden und offenen Wettbewerb spricht. Wenn man jedoch genauer hinsieht, bemerkt man, dass es bis auf äußerst wenige Ausnahmen und Überraschungen immer wieder dieselben Mannschaften sind, die in der Champions League weit kommen und den Titel somit quasi unter sich ausmachen.

Zudem ergibt sich für die Bundesliga noch ein ganz spezielles Problem. Die Bundesliga hat sich in den letzten Jahren zu einer der ausgeglichensten Ligen Europas entwickelt, was positiverweise zeigt, dass der Wettbewerb in Deutschland deutlich offener ist als in anderen europäischen Ligen, wie z.B. der spanischen La Liga. Doch genau diese Ausgeglichenheit macht einigen Anhängern in Hinblick auf die Fünfjahreswertung Sorgen. Denn je ausgeglichener die Liga, desto höher natürlich die Chancen, dass vermeintlich schwächere Mannschaften für Deutschland in Europa an den Start gehen. Diese Teams profitieren vor allem davon, dass etablierte Kräfte schwächeln und sie selbst über ihren Möglichkeiten gespielt haben. Borussia Mönchengladbach ist ein treffendes Beispiel hierfür, auch wenn sich die Mannschaft in der laufenden Saison auf europäischer Bühne beachtlich geschlagen hat. Und wenn man sich die aktuelle Tabelle der Bundesliga anschaut, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass zur nächsten Saison Klubs wie Frankfurt, Mainz und Freiburg international mitspielen. Für jeden Verfechter der Fünfjahreswertung mit Sicherheit ein Schreckensszenario, da somit die Ausgeglichenheit der Bundesliga, die einerseits ihre Attraktivität ausmacht, andererseits ihr zum Verhängnis werden könnte. Wen die Fünfjahreswertung jedoch nicht kümmert, der darf sich darauf freuen, dass man in der nächsten Saison vielleicht neue Gesichter auf europäischer Bühne bestaunen darf und kann auch weiterhin guten Gewissens international gegen die deutschen Klubs sein.

Wer sich dennoch für die Fünfjahreswertung interessiert:

Offizielle Fünfjahreswertung der UEFA

Aktuelle (aber inoffzielle) Fünfjahreswertung

Preistreiber

In England kommt nur noch ins Stadion, wer es sich leisten kann die astronomischen Preise für Eintrittskarten zu bezahlen. Zwar sind wir in Deutschland noch meilenweit von Preisniveau auf der Insel entfernt, doch es gibt auch hierzulande bereits erste ernstzunehmende Entwicklungen in die falsche Richtung.

Wer kurzfristig noch eine Karte für ein Bundesligaspiel ergattern will oder beim Vorverkauf leer ausgegangen ist, für den gibt es im Internet noch eine Anlaufstelle, wo man sich berechtigte Hoffnungen auf Tickets machen kann – falls man denn bereit ist, das dafür nötige Kleingeld auf den Tisch zu legen. Die Rede ist von der Internetplattform Viagogo, wo Tickets für Veranstaltungen jeglicher Art ge- und verkauft werden können. So besitzt diese Form des Tickethandels zweifelsohne Vorteile, die direkt einleuchten: einerseits haben Leute, die ein Event kurzfristig doch nicht besuchen können, die Möglichkeit ihre Eintrittskarten noch loszuwerden und andererseits können dafür andere Leute der Veranstaltung beiwohnen. Es findet somit eine Umverteilung statt, die sowohl den Verkäufer, als auch den Käufer besser stellt. Im wirtschaftlichen Jargon würde man hierbei von einer „pareto-effizienten“ Verteilung sprechen. Doch genug des Lobes.

Schon seit längerem arbeitet Viagogo offiziell mit Vereinen zusammen, so auch mit dem deutschen Branchenprimus FC Bayern. Der chronisch ausverkaufte Rekordmeister hat sich dabei natürlich auch etwas gedacht, denn einerseits konnte somit der vor allem auf ebay florierende Schwarzmarkt eingedämmt werden und andergegen-viagogoerseits sprang für die Münchener dabei auch noch der ein oder andere Euro heraus. Was jedoch nicht heißen soll, dass auf Viagogo alles mit rechten Dingen zugeht. Die Internetplattform ist mittlerweile der Arbeitsplatz vieler professioneller Ticketverkäufer geworden. Diese Spezies reißt sich im Vorverkauf massenhaft Karten unter die Nägel, um diese dann vielfach teurer im Internet anzubieten. Und auch Viagogo profitiert davon: das Unternehmen lässt sich den Service mit horrenden Gebühren bezahlen, die der Käufer zusätzlich zum überteuerten Kaufpreis zu entrichten hat. Vor allem im Zuge des letztjährigen Champions League-Finals äußerten dann auch zahlreiche Anhänger der Bayern ihren Unmut über die Zusammenarbeit des eigenen Vereins mit Viagogo. Es wurde in der Folge vom Verein zwar untersagt, Tickets aus dem Kontingent der Bayern für das Finale im Internet zu versteigern, z.B. über ebay, doch der Weiterverkauf über den offiziellen Partner Viagogo stellte kein Problem dar. Konsequenterweise belegte der FC Bayern die schwarzen Schafe, die es dennoch nicht lassen konnten, Tickets im Internet versteigern zu wollen, mit einer Aberkennung der Mitgliedschaft (denn nur Mitglieder konnten Tickets für das Finale erwerben) und einem lebenslangen Ausschluss aus dem Verein. Andere, die sich mit dem Verkauf über Viagogo schön etwas dazu verdienten, blieben ungestraft, denn die Internetplattform war ja schließlich Partner des Vereins. Doch mittlerweile hat der Verein darauf reagiert und wird die Kooperation mit dem Internetanbieter, die diesen Sommer ausläuft, nicht verlängern.

Fans anderer VviaNOgoereine steht in Bezug auf Viagogo der ganze Ärger noch bevor: so stehen aktuell die Fans des FC Schalke und des Hamburger SV im Fokus. Anhänger der Königsblauen starteten jüngst die Initiative „viaNOgo“ und in der Hansestadt erreichten die Fans, dass der Klub seine Partnerschaft mit der Internetplattform nach nur einem Jahr im Sommer wieder beenden wird. Auf Schalke hatte man weniger Verständnis für den Ärger der Fans übrig. So wurde seitens der Vereinsführung eine für das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf geplante Unterschriftenaktion untersagt, die die wütenden Schalker Anhänger dennoch durchführen wollen. Sie klagen, dass der Verein die Interessen seiner Fans hinter finanzielle Interessen eines zukünftigen Geschäftspartners stellen würde. Und dabei haben die Schalker Fans vollkommen recht, denn ab Sommer soll Viagogo für jedes Spiel der Schalker ein Kontingent über 300 Karten bekommen, dass dann mit bis zu hundertprozentigem Preisaufschlag zuzüglich Gebühren verkauft werden soll. Auch eine vereinseigene Ticketbörse, wo Restkarten bisher zum normalen Preis weiterverkauft werden können, soll ähnlich wie bei den Bayern künftig von Viagogo betrieben werden.

Wie in der aktuellen Ausgabe (#136) von 11Freunde zu lesen ist, regt sich auch auf der Insel Widerstand gegen Viagogo. Jüngst enthüllte ein Bericht der BBC die dunklen Machenschaften der Internetplattform, die gegen die Ausstrahlung gerichtlich geklagt hatte. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Außerdem strebt das Unternehmen laut dem Bericht von 11Freunde langfristig eine Etablierung eines „dynamic pricing“ an: soll bedeuten, dass die Tickets immer teurer werden, je näher das Spiel rückt. Schlussendlich führt das dazu, dass sich die Fans so früh wie möglich Karten sichern wollen, was den Vereinen volle Stadien und eine noch vollere Kasse garantiert. Dass dabei der Fan, der nicht mehr als ein solcher, sondern nur noch als Konsument wahrgenommen wird, damit ein Problem haben könnte, stört Viagogo mit Sicherheit nicht, aber auch einige Vereine könnte das in Anbetracht finanzieller Vorteile kalt lassen. Dabei vergessen die Akteure, die nur noch durch finanzielle Interessen geleitet werden, jeviaNOgo2doch, dass Fußball ein Sport ist, der ganz besonders durch seine Fans lebt. Somit möchte man zunächst denken, dass es für die Anhänger eigentlich leicht sein sollte, den eigenen Verein unter Druck zu setzen und die eigenen Interessen erfolgreich artikulieren und durchsetzen zu können. Doch das Problem ist hierbei, dass der Fußball in den letzten Jahren so an Popularität gewonnen hat, dass es immer irgendwelche Leute, egal ob treue Seele oder Mode-Fan, geben wird, die bereit sind für ein Ticket Unsummen an Geld auszugeben. Initiativen wie z.B. „Kein Zwanni“ in Deutschland oder die „Football Supporters‘ Federation“ unter dem Motto „Twenty’s Plenty“ in England kämpfen für bezahlbare Tickets. Schließlich hat es den Fußball auch schon immer ausgemacht, dass er ein Sport für alle und jeden ist. Auf den Rängen ein Querschnitt durch die Bevölkerung, wie er heterogener kaum sein könnte. Dies ist allerdings nur möglich, wenn Tickets für jedermann bezahlbar bleiben. Ansonsten bleibt der Stadionbesuch den Wohlhabenden vorenthalten und die ärmeren Fans werden sich in Kneipen vor den Fernsehgeräten scharen. Somit stellen auch hierzulande steigende Ticketpreise und Preistreiber wie Viagogo stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Was von der in England einst blühenden Fankultur übrig geblieben ist, konnte man jüngst beim Gastspiel der Bayern im Emirates-Stadium, dem teuersten Stadion auf der Insel, ernüchternd feststellen. Keine Spur von Atmosphäre, die Gästefans beherrschten die Stimmung. Wer sich in Deutschland englische Verhältnisse wünscht, der mag Fan von Fußball als Unterhaltung sein, aber nicht Fan des Sports, der sich an Idealen orientiert, die man sich nicht einfach so kaufen kann. Nicht einmal auf Viagogo.

Hier noch ein Hinweis auf ein brandaktuelles Interview auf 11Freunde.de:
Schalke-Fans gegen Viagogo

Der Traumstudiengang eines jeden Fußballverrückten

Während meiner Schulzeit musste ich in der elften Jahrgangsstufe ein ganzes Jahr lang das Fach „BuS“ über mich ergehen lassen. Wobei selbst die Formulierung „ergehen lassen“ noch den reinsten Euphemismus darstellt. Es wird kaum jemanden verwundern, dass diese drei Buchstaben nichts, aber auch rein gar nichts mit einem gewissen Personenbeförderungsmittel zu tun haben. Leider. Denn diese drei Buchstaben waren das mysteriös anmutende Akronym für „Berufs- und Studienwahl“. Das bayerische Kultusministerium hatte in jüngerer Vergangenheit schon mehrere Schnapsideen in die Wirklichkeit umgesetzt, doch die Idee für das Fach „BuS“ musste dem Anschein nach auf einer ziemlich üblen Flatrate-Party entstanden sein. Da sich angeblich viele junge Leute auf dem Gymnasium heutzutage nicht hinreichend mit ihrer zukünftigen Berufs- bzw. Studienwahl beschäftigten, führte man also dieses Fach an, das wahlweise von fachkundigen Erdkunde- oder Sportlehrern unterrichtet wurde. Auf dem Lehrplan stand natürlich auch ganz standesgemäß ein Besuch beim örtlichen Arbeitsamt. Ein Test, der anhand unserer Vorlieben und Fähigkeiten unser zukünftiges Berufsbild beschreiben sollte, lieferte mir das Ergebnis, dass ich später einmal als Waldarbeiter voll aufblühen würde. Ja, ganz genau, als Waldarbeiter. Den ganzen Tag im Wald stehen und Holz machen. Die Waldarbeit in Ehren, aber ich konnte mir kaum vorstellen, dass ich in diesem Job jemals Erfüllung finden würde.

Und eigentlich war ich ja ein ganz klarer Fall. Zumindest aus meiner Sicht. Bis ich feststellte, dass es augenscheinlich keinen Studiengang gibt, der geballtes Fußballwissen und unendliche Hingabe an diesen Sport fordert. Enttäuscht musste ich zur Kenntnis nehmen, dass es eben niemanden so wirklich interessiert, wenn man sein Wochenende auf dem Sportplatz von Kreisligisten verbringt oder sich nächtelang im Internet Artikel über Fußballtaktik oder die neuesten Entwicklungen der polnischen Hooliganszene reinzieht. Der sportlich-praktische Teil stand zudem außer Frage, da ich mich niemals durch übermäßiges Talent hervortun konnte. So musste ich also, entgegen meiner eigenen Begabungen und Interessen, einen dieser konventionellen Studiengänge auswählen. Doch schon damals träumte ich davon, was ich nun in vollendeter Form darstellen will: den Studiengang Fußballwissenschaften.

Aller Anfang ist schwer

Wie jeder angesehene Studiengang, der sich für etwas Besonderes hält, zeichnet sich natürlich auch der Studiengang Fußballwissenschaften durch einen schier wahnwitzigen Aufnahmetest aus. Es sollen ja nur die besten Leute zum Zug kommen. Wer also nicht weiß, wann Rudi Völler als Spieler zur Roma wechselte und wie viele Tore er in wie vielen Spielen für die Mannschaft aus der ewigen Stadt erzielte, der kann gleich mal einpacken. Weiß jemand um die Anzahl der Verwarnungen von Tante Käthe in diesem Zeitraum, so bekommt er sogar einen Bonuspunkt. Schließlich stellen solche Fakten ja nur die Grundlage für ein erfolgreiches Studium dar. Wer dieses Martyrium erfolgreich überstanden hat, darf sich glücklich schätzen, denn derjenige ist nun Teil eines elitären Zirkels.

Wie jeder andere Studiengang beginnt auch das Studium der Fußballwissenschaften mit eher unspektakulären Veranstaltungen. Zunächst müssen die Frischlinge also verschiedenste, grundständige Einführungsvorlesungen besuchen. Dabei werden sie auch gleich mit der Struktur des Studiengangs vertraut gemacht, denn dieser gliedert sich in die drei Fachgebiete „Fußballgeschichte“, „Fußballtaktik“ und „Fankultur“. Am aufschlussreichsten dürfte für die Anfänger wahrscheinlich die wissenschaftliche Übung namens „Statistische Datenanalyse“ sein: hier werden den Studierenden die grafischen Analysen von SKY näher gebracht. Was beim Normalofan Samstag für Samstag nur zu Kopfschütteln führt, wird hier genauer erläutert, so dass die Studierenden nun etwas mit den scheinbar willkürlich aufblinkenden Pfeilen und Punkten sowie Quadraten in jeglicher Couleur anzufangen wissen.

Für Fortgeschrittene

Nachdem die ersten beiden Semester geschafft sind, dürfen sich die Studierenden nun im Vertiefungsmodul spannenderen Aufgaben widmen. Auch im Studiengang Fußballwissenschaften wird viel Wert auf Auslandserfahrung gelegt: so ist es für jeden notwendig, ein Groundhoppingsemester zu absolvieren. Während dieses etwas speziellen Auslandsaufenthalts müssen die Studierenden mindestens 50 Spiele in fünf verschiedenen Ländern besuchen. Dabei ist der Besuch von mindestens fünf Risikospielen à la Boca Juniors gegen River Plate oder Wisla Krakau gegen Cracovia selbstredend obligatorisch. Etwas gemütlicher wird es für die Studenten bei einer Exkursion, die wahrscheinlich jedem auf Lebenszeit in Erinnerung bleiben wird: ein Besuch des legendären Fußballtalks „Doppelpass“. Fortan wird sich nämlich jeden Sonntag ein Student der Fußballwissenschaften zu Jörg Wontorra und Co. gesellen, denn die Macher der Sendung haben sich endlich dazu entschlossen, die Gäste von der Bild-Zeitung durch fachkundigeres Personal zu ersetzen. Allerdings muss sich jeder Student zunächst über die Vorstufe „Mobilat Fantalk“ für die Teilnahme am „Doppelpass“ qualifizieren. Eine harte Nuss also. Für eine erfolgreiche Teilnahme am Seminar „Doppelpass“ muss der Student dann nur noch ein paar lächerliche Aufgaben erfüllen: zum einen müssen mindestens fünf Weißbier während der Sendung getrunken werden und zum anderen müssen so viel Sprüche geklopft werden, dass das Phrasenschwein mit mindestens fünfzehn Euro gefüttert wird.

Das Vertiefungsmodul bietet jedoch noch weitere Leckerbissen: der Student darf selbst am Dreh einer weiteren Folge von Danny Dyers „International Football Factories“ teilnehmen, muss sich verschiedenste Klassiker im Genre der Hooliganfilme ansehen und diese analysieren und zu guter Letzt müssen alle Spiele eines Afrika-Cups live mitverfolgt und protokolliert werden.

Praxisbezug

Selbstverständlich verzichtet der Studiengang Fußballwissenschaften jedoch nicht gänzlich auf den sportlichen Aspekt. So muss der Student mindestens drei Semester lang einen Fußballkurs belegen. Um eine Einstufung nach Können und Leistungsvermögen zu garantieren, müssen die Studierenden ganz im Stile des „Aktuellen Sportstudios“ an der Torwand antreten. Wer sechs Treffer erzielt, spart sich die Teilnahme am Fußballkurs und darf eine ruhige Kugel schieben. Zur Belohnung gibt es noch einen Blick hinter die Kulissen bei „ran“, wenn Hannover 96 mal wieder donnerstags irgendwo in der Ukraine antreten muss. Alle anderen, die es nicht zu sechs Treffern bringen, müssen nun solange an einem Fußballkurs teilnehmen, bis sie das Niveau „Mario Basler“ erreicht haben. Wer es also gewohnt ist, volltrunken zu spielen, hat gute Chancen dieses Niveau zu meistern. Dass dabei vor allem Studierende, die während ihrer Jugend unterklassig gespielt haben, Vorteile besitzen, sollte jedem klar sein.

Abschluss

In einem letzten Modul, dem sogenannten „Kompetenzmodul“, erlernen die Studierenden Fertigkeiten, die ihnen im Alltag weiterhelfen. So muss das Liedgut des Lieblingsvereins fehlerfrei beherrscht werden, wobei nicht auf gesangliche Fähigkeiten, sondern nur auf Lautstärke Wert gelegt wird. Ebenfalls muss jeder Student mit den Methoden der empirischen Stadionbier und –wurstanalyse vertraut sein. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass die wissenschaftliche Übung „Sicheres Abbrennen von Pyrotechnik“ mit Bravour bestanden wird. Hat der Studierende all diese Hürden erfolgreich genommen, so stehen ihm nur noch zwei Aufgaben bevor: ein Praktikum und die Abschlussprüfung. Um zu Letzterer zugelassen zu werden, muss ein mindestens 34-spieltägiges Praktikum bei einer anerkannten Ultragruppierung geleistet werden. Damit sich der Student mit dem Titel „Bachelor of Arts Fußballwissenschaften“ rühmen kann, muss nun die Abschlussprüfung bestanden werden. Diese besteht darin, vollkommen nüchtern das Montagabendtopspiel zwischen dem SV Sandhausen und Erzgebirge Aue an der Seite von Thomas Herrmann zu kommentieren. Wer dabei nicht einschläft oder vorzeitig entnervt das Studio verlässt, den darf man beglückwünschen. Mit diesem Abschluss dürfte man zwar nicht allzu große Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, doch ein jeder Fußballverrückter könnte sich zumindest sicher sein, dass er seine Studienzeit äußerst sinnvoll und ereignisreich verbracht hätte. Wobei die Chancen auf einen Arbeitsplatz nicht gänzlich bei null sind, denn irgendwo her muss Sky seine Kommentatoren ja schließlich auch bekommen.

Unterhaltung vom feinsten!

Der Afrika-Cup 2013 machte seinem Ruf alle Ehre: Traumtore, Patzer und Showeinlagen en masse. Im Flutlicht lässt die schönsten, lustigsten und denkwürdigsten Momente des Turniers Revue passieren.

Der Auftakt des diesjährigen Afrika-Cups ließ nichts Gutes erhoffen, denn am Anfang stand die Null. Gastgeber Südafrika mühte sich zu einem torlosen Unentschieden gegen den Neuling von den Kap Verden und im Spiel zwischen Angola und Marokko fielen auch keine Tore. Gleich zu Beginn des Turniers die volle Dröhnung für all diejenigen, die es kaum mehr erwarten konnten, sich auf Eurosport endlich wieder Leckerbissen wie Burkina Faso gegen Äthiopien in voller Länge reinzuziehen. Auch wenn die ganz großen Schützenfeste im späteren Turnierverlauf ausblieben, so hatte der diesjährige Afrika-Cup dennoch das ein oder andere unvergessliche Schmankerl zu bieten.

Kidiaba-Style

Dieumerci Mbokani erzielte per Elfmeter den Ausgleichstreffer im Spiel zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ghana. So weit, so unspektakulär. Doch einen auf dem Platz freute dieser Treffer ganz besonders: Kongos Torhüter Robert Muteba Kidiaba. Um seiner Freude Ausdruck zu verleihen, packte er einen ganz besonderen Tanz aus, der sicherlich bald die nächste Revolution auf den Tanzflächen hierzulande anzetteln wird. Da kann der Gangnam-Style mal schön einpacken. Ein Schelm, wer denkt, dass Kidiaba sich diesen unvergleichlichen Move nur ausdachte, um auf den Einkaufszettel europäischer Spitzenklubs zu kommen.

Kongo-Keeper Kidiaba Torjubel

 

Mit Äthiopiern ist nicht zu spaßen

Der Titelverteidiger Sambia bekam es in seinem Auftaktspiel mit dem vermeintlich leichten Gegner Äthiopien zu tun. Ein Pflichtsieg für die „Chipolopolo“. Eigentlich. Das Spiel endete 1:1 unentschieden, doch die wahrlich großen Momente dieses Spiels waren nicht die Tore. Im Blickpunkt des Spiels stand der äthiopische Keeper Jemal Tassew, der einen herannahenden Stürmer Sambias außerhalb des Strafraums so heftig niederstreckte, dass er die rote Karte nur noch von der Trage aus in Empfang nehmen konnte. Bruce Lee und Nigel de Jong wären stolz auf ihn gewesen. Außerdem sehenswert: der sambische Gebetskreis vor dem äthiopischen Block nach dem Führungstreffer. Die Anhänger Äthiopiens fanden das allerdings nicht so lustig und setzten die nervtötenden Vuvuzelas als Wurfgeschosse ein, um den Torjubel der Sambier jäh zu unterbrechen.

Zusammenfassung: Sambia-Äthiopien

Torjubel Sambia

 

Die Uhren ticken anders

Ein weiteres Highlight des Turniers war im Spiel Togo gegen Algerien zu bestaunen. Nachdem ein algerischer Stürmer eine Flanke unterlaufen hatte, hoffte er darauf, dass ihn das Tornetz sanft auffangen würde. Doch falsch gedacht. Das Tor brach unter der schweren Last zusammen und konnte erst mit vereinten Kräften wieder aufgestellt werden, was mal eben ganze fünf Minuten dauerte. Warum der Schiedsrichter jedoch geschlagene dreizehn Minuten nachspielen ließ, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.

Togo-Algerien: Tor Adebayor, kaputtes Tor und 13 Minuten Nachspielzeit

Togo-Algerien: Tor bricht zusammen

 

Tunesisches Traumtor

Youssef Msakni war der Spieler des Tages in der Partie zwischen Tunesien und Algerien. Mit einem sehenswerten Fernschuss erzielte er in der Nachspielzeit den Siegtreffer für seine Tunesier. Wohl eines der schönsten Tore der diesjährigen Auflage des Afrika-Cups. Einfach nur genießen!

Traumtor Youssef Msakni

 

Fußballübertragung der Extraklasse

Ein weiteres Spektakel bot das Halbfinale zwischen dem Favoriten Ghana und dem Außenseiter Burkina Faso. Beide Mannschaften boten unter widrigen äußeren Umständen ein recht gutes Spiel. Denn der Rasen war nicht wie anfangs gedacht in schlechtem Zustand, er war in ganz und gar katastrophalem Zustand. Der Kommentator klärte die Zuschauer nämlich wenig später auf, dass der Rasen infolge starker Regenfälle nun von einem Pilz befallen worden sei. Prost, Mahlzeit! Anfangs noch von Hobbymeteorologen in unserem erlesenen Zuschauerkreis als Schnee deklariert, flogen zudem in Scharen mutierte Motten über das Spielfeld, was auch dem aufmerksamen Zuschauer zuhause nicht entging, da sich mehrmals während der Übertragung eines dieser Ungetüme direkt vor der Kamera niederließ.
Außerdem erwähnenswert: der Kommentator dieses Spiels, der sich ein ums andere Mal als Fan der Burkinabe äußerte. Endlich Schluss mit dieser Pseudo-Unparteilichkeit bei Fußballübertragungen. Einfach mal Fan sein, Emotionen zeigen und die Objektivität links liegen lassen. Der Afrika-Cup auf Eurosport macht’s möglich! Spätestens als der Schiedsrichter durch eine skandalöse Fehlentscheidung den Ex-Freiburger Jonathan Pitroipa vom Platz stellte, anstatt Elfmeter für Burkina Faso zu geben, wurde auch dem Letzten vor dem Bildschirm klar, für wen das Herz des Kommentators schlug. Er bezeichnete den Unparteiischen fortan abfällig als „komischen Tunesier“ und wertete dessen Entscheidung in bestem Marcel-Reif-Kommentatorendeutsch als „hanebüchen“.

Last but not least reihte sich Aristide Bancé während des Elfmeterschießens in die Riege der ganz großen Schützen ein. Er machte den Panenka, bzw. seit letztem Sommer würden man auch sagen den Pirlo. Dass jemand wie Aristide Bancé in so einer Situation so etwas macht, verwundert kaum. Wohl ihm, dass er getroffen hat, denn sein Haus würde jetzt sonst wohl nicht mehr stehen.

Zusammenfassung: Burkina Faso-Ghana

Ghana-Keeper feiert seien Parade!

 

Pack den Hammer aus!

Im Viertelfinale erzielte der Nigerianer Emmanuel Emenike, seines Zeichens Stürmer bei Spartak Moskau, einen sehenswerten Freistoßtreffer gegen die Elfenbeinküste um Topstar Didier Drogba. Zugegebenermaßen, ganz unhaltbar war der nicht. Aber für die Ivorer reichte es – mal wieder – nicht für den Titel. Der ganz große Wurf scheint dieser goldenen Generation der Elfenbeinküste wohl verwehrt zu bleiben. Es ist zumindest fraglich, ob Drogba beim Afrika-Cup 2015 in Marokko nochmal mit von der Partie sein wird.

Emenike Freistoßtor

Sunday Mbas Solo zum Siegtor gegen die Elfenbeinküste

 

Sepp Blatter, Mba Traumtor

Im Finale waren die Rollen, ähnlich wie schon im Vorjahr, klar verteilt: Nigeria war ganz klarer Favorit gegen den Außenseiter aus Burkina Faso. Vor Beginn des Spiels erwiesen Sepp Blatter und zahlreiche andere Funktionäre bzw. Verbands- und Staatspräsidenten den Spielern und Trainern die ganz große Ehre und schüttelten jedem, selbst dem Physiotherapeuten auf der Ersatzbank, höchstpersönlich die Hand. Auch so etwas gibt es wohl nur beim Afrika-Cup. Während des Spiels boten beide Mannschaften weitestgehend magere Kost, lediglich Aussetzer der Abwehrreihen sorgten für die eine oder andere Chance. Sunday Mba erzielte das Tor des Tages und bescherte Nigeria zum dritten Mal den Titel beim Afrika-Cup. Die Burkinabe hatten dem nur wenig entgegen zu setzen und somit blieb die Sensation im Gegensatz zum Vorjahr aus. Alles in allem ein Afrika-Cup, der uns nicht enttäuschte und an den sich auch mit Sicherheit noch unsere Kinder erinnern werden.

Zusammenfassung: Nigeria-Burkina Faso

Zusammenfassung Finale Afrika-Cup 2013