Der ungeliebte Meister

Rekorde über Rekorde. Das ist der FC Bayern anno 2013.  Die Bayern verzaubern mit ihrem Fußball, eilen von Sieg zu Sieg und sind der früheste deutsche Meister aller Zeiten. Dennoch gibt es genügend Fußballfans, die den Bayern die Schale nicht gönnen. Das hat einen einfachen Grund: sie besitzen in ihrem tiefsten Inneren eine Abneigung gegen die Münchener. Im Flutlicht erklärt, warum man den deutschen Rekordmeister nicht mögen muss.triumvirat

Es gibt wohl kaum einen anderen Klub, dessen Führungsebene so von unsympathischen Grantlern durchsetzt ist, wie die des FC Bayern München. Ganz an der Spitze natürlich das Triumvirat der Antipathie, die Achse bestehend aus Hoeneß, Rummenigge und Sammer. Im Grunde genommen stellt jeder einzelne der drei einen Grund dar, warum es legitim ist, eine gewisse Abneigung gegen den deutschen Rekordmeister zu haben. Dass darüber hinaus Transrapid-Vordenker Edmund Stoiber und der Mann für die ganz harten Fakten, Ex-Chef des Focus Helmut Markwort, im Verwaltungsbeirat des Vereins sitzen, macht die ganze Truppe auch nicht gerade angenehmer. Mit Matthias „Motzki“ Sammer scheint außerdem endlich der richtige Nachfolger für Uli Hoeneß gefunden zu sein. Der tragische Held des EM-Finales 1976 in Belgrad war über viele Jahre Leiter der sogenannten „Abteilung Attacke“, die, je nach Bedarf, ganz Deutschland und teilweise sogar Europa mit ihren Giftpfeilen übersäte. Da der erste Hoeneß-Nachfolger Christian Nerlinger das Charisma einer Stubenfliege besaß und er nicht die nötige Eloquenz vorweisen konnte, brauchte es einen Mann, der in die Meckerstapfen von Hoeneß treten konnte. Sammer, der beim DFB bisweilen zu sehr aneckte, bringt neben ausgezeichneter Grantlerei außerdem eine weitere wichtige Eigenschaft mit: auch er besitzt die Qualität, seinen Kopf je nach Situation in sämtlichen Rottönen erglühen zu lassen. Das dürfte besonders für Würstchen-Mogul und Logen-Abzocker Hoeneß mit Sicherheit ein bedeutendes Kriterium gewesen sein. Das Problem der Münchener hierbei ist, dass ihre „Abteilung Attacke“ nicht nur ein gesundes Maß an Offensive und Aggressivität aufweist, sondern oftmals mit herablassenden Äußerungen über das Ziel hinaus schießt.

Wobei wir beim unversiegbaren mia-san-uliQuell des Bayern-Hasses wären: die oftmals beschworene „Mia-san-mia“-Mentalität. Das ist bayerisch und bedeutet in etwa so viel wie Hochmut oder Arroganz. Während es gegen ein gesundes Selbstbewusstsein keinesfalls etwas einzuwenden gibt, ist diese Selbstüberhöhung gepaart mit Respektlosigkeit einfach nur abstoßend. Immer dann, wenn sie erfolgreich sind, meinen die Bayern nämlich, den anderen eins reindrücken zu müssen. Anstatt sich einfach nur über den eigenen Erfolg zu freuen, tritt man weiter auf die ein, die sowieso schon am Boden liegen. Und das stößt eben bei vielen, die es nicht so mit den Münchenern halten, nicht gerade auf Gegenliebe. Deshalb braucht man sich beim FCB auch nicht wundern, dass anderen Mannschaften und deren Fans Siege gegen die Bayern ganz besonders gut schmecken, wenn man kaum einen Gegner mehr ernst nimmt und jeder Gegner schon vor dem Spiel als Laufkundschaft abgetan wird. Wenn die Bayern ihren Ansprüchen allerdings hinterherhinken, so wie die letzten beiden Jahre, ist ihre „Mia-san-mia“-Mentalität ein Schuss ins eigene Tor. Oder wie man sagen könnte, um das Phrasenschwein zu mästen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Doch nicht nur die Führungsriege und der bayerische Übermut sind eindeutige Minuspunkte: auch die Fans der Münchener machen den Klub nicht gerade sympbayern-chelsea-niederlageathischer. Das zeigt sich vor allem daran, dass die meisten Fans der Bayern nicht Fans des Vereins selbst, sondern nur Fans des Erfolgs, den der Verein verzeichnet, sind. Natürlich sind nicht alle Fans des FCB so, es gibt auch welche, denen wirklich etwas an ihrem Verein liegt. Doch um weiter munter Phrasen zu dreschen, könnte man auch sagen: diese Ausnahmen bestätigen die Regel. Was aber allgemein ein Symptom des Bayern-Virus ist, das so gute wie alle Infizierten vorweisen: die herablassende Art, mit der die Fans der Münchener über ihre Gegner herzuziehen pflegen. Sollten die kühnen Voraussagen der FCB-Anhänger allerdings einmal nicht eintreten und entgegen aller Erwartungen ein Spiel verloren gehen, so sind wahlweise der Schiedsrichter, die überhart spielenden und zu tief stehenden Gegner oder – frei nach Uli Hoeneß – der sich in miserablem Zustand befindende Platz Schuld. Aber nicht die Bayern selbst. Nein, ganz bestimmt nicht.

Stimmungsmäßig sind die Bayern in etwa im unteren Mittelfeld der Liga anzusiedeln. Auch wenn man bei Auswärtsspielen der Bayern immer wieder feststellen muss, dass die aktive Fanszene der Münchener nicht zu unterschätzen ist, so ändert dies nichts an der miesepeterigen Stimmung in der Allianz Arena. Gegen dieses zuhauf vorhandene stimmungsmäßige Negativpotential kommt die Südkurve allein einfach nicht an. Es verwundert somit nicht, dass sich der Gästeanhang akustisch oftmals besser Geltung zu verschaffen weiß, obwohl in das hinterletzte Eck des Hoeneß’schen Wohnzimmers verfrachtet. Für die Bayern-Fans ist ein Sieg so natürlich, wie es für die Fans der Fürther bis letzte Saison der Nicht-Aufstieg war. Warum sollte man sich also über einen Sieg freuen, wenn man dies doch sowieso jede Woche machen kann?

bayern-fans-traurigOftmals sagen Fans anderer Vereine, dass es leicht sei, ein Fan des FC Bayern zu sein. Diese kontern dann meist mit dem Spruch, dass man als Fan der Münchener genauso, wenn nicht sogar mehr leiden müsse, wie ja das Champions League-Finale des letzten Jahres bewiesen hätte. Dazu kann man nur sagen: die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Als Fan eines abstiegsbedrohten Bundesligisten muss man bereit sein, Woche für Woche wieder das Leid einer Niederlage zu erfahren. Die siegestrunkenen Fans der Bayern, die dieses Gefühl gar nicht kennen, reden oftmals davon, dass die Bundesliga nur eine Art Training sei und in Wahrheit „nur die ganz großen Spiele“ (O-Ton der überragenden Mehrheit der Bayern-Fans) zählen. Man konzentriert sich in München also auf das Wesentliche – was heißen soll: Champions League. Aber muss jemand, der nur auf die „ganz großen Spiele“ hinfiebert, nicht auch bereit sein, „ganz große Niederlagen“ zu erleiden? Während sich bei Fans anderer Klubs das Leid über das ganze Jahr hinweg verteilt, müssen Bayern-Fans eben damit leben, dass ihr Leid immer wieder im Mai kulminiert. Die Summe ist dieselbe, nur die Verteilung ist eine andere.uli hoeneß

Dass sich bereits der ein oder andere Spieler die Karriere durch einen Wechsel an die Isar versaut hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch die Rettungsaktionen, mit denen die Bayern anderen Vereinen schon oftmals wieder auf die Beine geholfen haben, machen den Klub nicht unbedingt sympathischer. Denn hinter dieser geheuchelten Freigiebigkeit verbirgt sich doch nichts anderes als Imagepflege auf billigste Art und Weise. Was man den Bayern diese Saison allerdings lassen muss: sportlich bewegen sie sich auf allerhöchstem Niveau. Doch der deutsche Meistertitel kann für die erfolgsverwöhnten Fans nach zwei Jahren Abstinenz allenfalls der Anfang sein. Erst die finale Phase Ende Mai wird zeigen, inwiefern diese Saison als wahrer Erfolg zu bewerten ist. Wie immer gilt also: wer im Mai lacht, lacht am besten.

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Preistreiber

In England kommt nur noch ins Stadion, wer es sich leisten kann die astronomischen Preise für Eintrittskarten zu bezahlen. Zwar sind wir in Deutschland noch meilenweit von Preisniveau auf der Insel entfernt, doch es gibt auch hierzulande bereits erste ernstzunehmende Entwicklungen in die falsche Richtung.

Wer kurzfristig noch eine Karte für ein Bundesligaspiel ergattern will oder beim Vorverkauf leer ausgegangen ist, für den gibt es im Internet noch eine Anlaufstelle, wo man sich berechtigte Hoffnungen auf Tickets machen kann – falls man denn bereit ist, das dafür nötige Kleingeld auf den Tisch zu legen. Die Rede ist von der Internetplattform Viagogo, wo Tickets für Veranstaltungen jeglicher Art ge- und verkauft werden können. So besitzt diese Form des Tickethandels zweifelsohne Vorteile, die direkt einleuchten: einerseits haben Leute, die ein Event kurzfristig doch nicht besuchen können, die Möglichkeit ihre Eintrittskarten noch loszuwerden und andererseits können dafür andere Leute der Veranstaltung beiwohnen. Es findet somit eine Umverteilung statt, die sowohl den Verkäufer, als auch den Käufer besser stellt. Im wirtschaftlichen Jargon würde man hierbei von einer „pareto-effizienten“ Verteilung sprechen. Doch genug des Lobes.

Schon seit längerem arbeitet Viagogo offiziell mit Vereinen zusammen, so auch mit dem deutschen Branchenprimus FC Bayern. Der chronisch ausverkaufte Rekordmeister hat sich dabei natürlich auch etwas gedacht, denn einerseits konnte somit der vor allem auf ebay florierende Schwarzmarkt eingedämmt werden und andergegen-viagogoerseits sprang für die Münchener dabei auch noch der ein oder andere Euro heraus. Was jedoch nicht heißen soll, dass auf Viagogo alles mit rechten Dingen zugeht. Die Internetplattform ist mittlerweile der Arbeitsplatz vieler professioneller Ticketverkäufer geworden. Diese Spezies reißt sich im Vorverkauf massenhaft Karten unter die Nägel, um diese dann vielfach teurer im Internet anzubieten. Und auch Viagogo profitiert davon: das Unternehmen lässt sich den Service mit horrenden Gebühren bezahlen, die der Käufer zusätzlich zum überteuerten Kaufpreis zu entrichten hat. Vor allem im Zuge des letztjährigen Champions League-Finals äußerten dann auch zahlreiche Anhänger der Bayern ihren Unmut über die Zusammenarbeit des eigenen Vereins mit Viagogo. Es wurde in der Folge vom Verein zwar untersagt, Tickets aus dem Kontingent der Bayern für das Finale im Internet zu versteigern, z.B. über ebay, doch der Weiterverkauf über den offiziellen Partner Viagogo stellte kein Problem dar. Konsequenterweise belegte der FC Bayern die schwarzen Schafe, die es dennoch nicht lassen konnten, Tickets im Internet versteigern zu wollen, mit einer Aberkennung der Mitgliedschaft (denn nur Mitglieder konnten Tickets für das Finale erwerben) und einem lebenslangen Ausschluss aus dem Verein. Andere, die sich mit dem Verkauf über Viagogo schön etwas dazu verdienten, blieben ungestraft, denn die Internetplattform war ja schließlich Partner des Vereins. Doch mittlerweile hat der Verein darauf reagiert und wird die Kooperation mit dem Internetanbieter, die diesen Sommer ausläuft, nicht verlängern.

Fans anderer VviaNOgoereine steht in Bezug auf Viagogo der ganze Ärger noch bevor: so stehen aktuell die Fans des FC Schalke und des Hamburger SV im Fokus. Anhänger der Königsblauen starteten jüngst die Initiative „viaNOgo“ und in der Hansestadt erreichten die Fans, dass der Klub seine Partnerschaft mit der Internetplattform nach nur einem Jahr im Sommer wieder beenden wird. Auf Schalke hatte man weniger Verständnis für den Ärger der Fans übrig. So wurde seitens der Vereinsführung eine für das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf geplante Unterschriftenaktion untersagt, die die wütenden Schalker Anhänger dennoch durchführen wollen. Sie klagen, dass der Verein die Interessen seiner Fans hinter finanzielle Interessen eines zukünftigen Geschäftspartners stellen würde. Und dabei haben die Schalker Fans vollkommen recht, denn ab Sommer soll Viagogo für jedes Spiel der Schalker ein Kontingent über 300 Karten bekommen, dass dann mit bis zu hundertprozentigem Preisaufschlag zuzüglich Gebühren verkauft werden soll. Auch eine vereinseigene Ticketbörse, wo Restkarten bisher zum normalen Preis weiterverkauft werden können, soll ähnlich wie bei den Bayern künftig von Viagogo betrieben werden.

Wie in der aktuellen Ausgabe (#136) von 11Freunde zu lesen ist, regt sich auch auf der Insel Widerstand gegen Viagogo. Jüngst enthüllte ein Bericht der BBC die dunklen Machenschaften der Internetplattform, die gegen die Ausstrahlung gerichtlich geklagt hatte. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Außerdem strebt das Unternehmen laut dem Bericht von 11Freunde langfristig eine Etablierung eines „dynamic pricing“ an: soll bedeuten, dass die Tickets immer teurer werden, je näher das Spiel rückt. Schlussendlich führt das dazu, dass sich die Fans so früh wie möglich Karten sichern wollen, was den Vereinen volle Stadien und eine noch vollere Kasse garantiert. Dass dabei der Fan, der nicht mehr als ein solcher, sondern nur noch als Konsument wahrgenommen wird, damit ein Problem haben könnte, stört Viagogo mit Sicherheit nicht, aber auch einige Vereine könnte das in Anbetracht finanzieller Vorteile kalt lassen. Dabei vergessen die Akteure, die nur noch durch finanzielle Interessen geleitet werden, jeviaNOgo2doch, dass Fußball ein Sport ist, der ganz besonders durch seine Fans lebt. Somit möchte man zunächst denken, dass es für die Anhänger eigentlich leicht sein sollte, den eigenen Verein unter Druck zu setzen und die eigenen Interessen erfolgreich artikulieren und durchsetzen zu können. Doch das Problem ist hierbei, dass der Fußball in den letzten Jahren so an Popularität gewonnen hat, dass es immer irgendwelche Leute, egal ob treue Seele oder Mode-Fan, geben wird, die bereit sind für ein Ticket Unsummen an Geld auszugeben. Initiativen wie z.B. „Kein Zwanni“ in Deutschland oder die „Football Supporters‘ Federation“ unter dem Motto „Twenty’s Plenty“ in England kämpfen für bezahlbare Tickets. Schließlich hat es den Fußball auch schon immer ausgemacht, dass er ein Sport für alle und jeden ist. Auf den Rängen ein Querschnitt durch die Bevölkerung, wie er heterogener kaum sein könnte. Dies ist allerdings nur möglich, wenn Tickets für jedermann bezahlbar bleiben. Ansonsten bleibt der Stadionbesuch den Wohlhabenden vorenthalten und die ärmeren Fans werden sich in Kneipen vor den Fernsehgeräten scharen. Somit stellen auch hierzulande steigende Ticketpreise und Preistreiber wie Viagogo stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Was von der in England einst blühenden Fankultur übrig geblieben ist, konnte man jüngst beim Gastspiel der Bayern im Emirates-Stadium, dem teuersten Stadion auf der Insel, ernüchternd feststellen. Keine Spur von Atmosphäre, die Gästefans beherrschten die Stimmung. Wer sich in Deutschland englische Verhältnisse wünscht, der mag Fan von Fußball als Unterhaltung sein, aber nicht Fan des Sports, der sich an Idealen orientiert, die man sich nicht einfach so kaufen kann. Nicht einmal auf Viagogo.

Hier noch ein Hinweis auf ein brandaktuelles Interview auf 11Freunde.de:
Schalke-Fans gegen Viagogo