Der ungeliebte Meister

Rekorde über Rekorde. Das ist der FC Bayern anno 2013.  Die Bayern verzaubern mit ihrem Fußball, eilen von Sieg zu Sieg und sind der früheste deutsche Meister aller Zeiten. Dennoch gibt es genügend Fußballfans, die den Bayern die Schale nicht gönnen. Das hat einen einfachen Grund: sie besitzen in ihrem tiefsten Inneren eine Abneigung gegen die Münchener. Im Flutlicht erklärt, warum man den deutschen Rekordmeister nicht mögen muss.triumvirat

Es gibt wohl kaum einen anderen Klub, dessen Führungsebene so von unsympathischen Grantlern durchsetzt ist, wie die des FC Bayern München. Ganz an der Spitze natürlich das Triumvirat der Antipathie, die Achse bestehend aus Hoeneß, Rummenigge und Sammer. Im Grunde genommen stellt jeder einzelne der drei einen Grund dar, warum es legitim ist, eine gewisse Abneigung gegen den deutschen Rekordmeister zu haben. Dass darüber hinaus Transrapid-Vordenker Edmund Stoiber und der Mann für die ganz harten Fakten, Ex-Chef des Focus Helmut Markwort, im Verwaltungsbeirat des Vereins sitzen, macht die ganze Truppe auch nicht gerade angenehmer. Mit Matthias „Motzki“ Sammer scheint außerdem endlich der richtige Nachfolger für Uli Hoeneß gefunden zu sein. Der tragische Held des EM-Finales 1976 in Belgrad war über viele Jahre Leiter der sogenannten „Abteilung Attacke“, die, je nach Bedarf, ganz Deutschland und teilweise sogar Europa mit ihren Giftpfeilen übersäte. Da der erste Hoeneß-Nachfolger Christian Nerlinger das Charisma einer Stubenfliege besaß und er nicht die nötige Eloquenz vorweisen konnte, brauchte es einen Mann, der in die Meckerstapfen von Hoeneß treten konnte. Sammer, der beim DFB bisweilen zu sehr aneckte, bringt neben ausgezeichneter Grantlerei außerdem eine weitere wichtige Eigenschaft mit: auch er besitzt die Qualität, seinen Kopf je nach Situation in sämtlichen Rottönen erglühen zu lassen. Das dürfte besonders für Würstchen-Mogul und Logen-Abzocker Hoeneß mit Sicherheit ein bedeutendes Kriterium gewesen sein. Das Problem der Münchener hierbei ist, dass ihre „Abteilung Attacke“ nicht nur ein gesundes Maß an Offensive und Aggressivität aufweist, sondern oftmals mit herablassenden Äußerungen über das Ziel hinaus schießt.

Wobei wir beim unversiegbaren mia-san-uliQuell des Bayern-Hasses wären: die oftmals beschworene „Mia-san-mia“-Mentalität. Das ist bayerisch und bedeutet in etwa so viel wie Hochmut oder Arroganz. Während es gegen ein gesundes Selbstbewusstsein keinesfalls etwas einzuwenden gibt, ist diese Selbstüberhöhung gepaart mit Respektlosigkeit einfach nur abstoßend. Immer dann, wenn sie erfolgreich sind, meinen die Bayern nämlich, den anderen eins reindrücken zu müssen. Anstatt sich einfach nur über den eigenen Erfolg zu freuen, tritt man weiter auf die ein, die sowieso schon am Boden liegen. Und das stößt eben bei vielen, die es nicht so mit den Münchenern halten, nicht gerade auf Gegenliebe. Deshalb braucht man sich beim FCB auch nicht wundern, dass anderen Mannschaften und deren Fans Siege gegen die Bayern ganz besonders gut schmecken, wenn man kaum einen Gegner mehr ernst nimmt und jeder Gegner schon vor dem Spiel als Laufkundschaft abgetan wird. Wenn die Bayern ihren Ansprüchen allerdings hinterherhinken, so wie die letzten beiden Jahre, ist ihre „Mia-san-mia“-Mentalität ein Schuss ins eigene Tor. Oder wie man sagen könnte, um das Phrasenschwein zu mästen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Doch nicht nur die Führungsriege und der bayerische Übermut sind eindeutige Minuspunkte: auch die Fans der Münchener machen den Klub nicht gerade sympbayern-chelsea-niederlageathischer. Das zeigt sich vor allem daran, dass die meisten Fans der Bayern nicht Fans des Vereins selbst, sondern nur Fans des Erfolgs, den der Verein verzeichnet, sind. Natürlich sind nicht alle Fans des FCB so, es gibt auch welche, denen wirklich etwas an ihrem Verein liegt. Doch um weiter munter Phrasen zu dreschen, könnte man auch sagen: diese Ausnahmen bestätigen die Regel. Was aber allgemein ein Symptom des Bayern-Virus ist, das so gute wie alle Infizierten vorweisen: die herablassende Art, mit der die Fans der Münchener über ihre Gegner herzuziehen pflegen. Sollten die kühnen Voraussagen der FCB-Anhänger allerdings einmal nicht eintreten und entgegen aller Erwartungen ein Spiel verloren gehen, so sind wahlweise der Schiedsrichter, die überhart spielenden und zu tief stehenden Gegner oder – frei nach Uli Hoeneß – der sich in miserablem Zustand befindende Platz Schuld. Aber nicht die Bayern selbst. Nein, ganz bestimmt nicht.

Stimmungsmäßig sind die Bayern in etwa im unteren Mittelfeld der Liga anzusiedeln. Auch wenn man bei Auswärtsspielen der Bayern immer wieder feststellen muss, dass die aktive Fanszene der Münchener nicht zu unterschätzen ist, so ändert dies nichts an der miesepeterigen Stimmung in der Allianz Arena. Gegen dieses zuhauf vorhandene stimmungsmäßige Negativpotential kommt die Südkurve allein einfach nicht an. Es verwundert somit nicht, dass sich der Gästeanhang akustisch oftmals besser Geltung zu verschaffen weiß, obwohl in das hinterletzte Eck des Hoeneß’schen Wohnzimmers verfrachtet. Für die Bayern-Fans ist ein Sieg so natürlich, wie es für die Fans der Fürther bis letzte Saison der Nicht-Aufstieg war. Warum sollte man sich also über einen Sieg freuen, wenn man dies doch sowieso jede Woche machen kann?

bayern-fans-traurigOftmals sagen Fans anderer Vereine, dass es leicht sei, ein Fan des FC Bayern zu sein. Diese kontern dann meist mit dem Spruch, dass man als Fan der Münchener genauso, wenn nicht sogar mehr leiden müsse, wie ja das Champions League-Finale des letzten Jahres bewiesen hätte. Dazu kann man nur sagen: die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Als Fan eines abstiegsbedrohten Bundesligisten muss man bereit sein, Woche für Woche wieder das Leid einer Niederlage zu erfahren. Die siegestrunkenen Fans der Bayern, die dieses Gefühl gar nicht kennen, reden oftmals davon, dass die Bundesliga nur eine Art Training sei und in Wahrheit „nur die ganz großen Spiele“ (O-Ton der überragenden Mehrheit der Bayern-Fans) zählen. Man konzentriert sich in München also auf das Wesentliche – was heißen soll: Champions League. Aber muss jemand, der nur auf die „ganz großen Spiele“ hinfiebert, nicht auch bereit sein, „ganz große Niederlagen“ zu erleiden? Während sich bei Fans anderer Klubs das Leid über das ganze Jahr hinweg verteilt, müssen Bayern-Fans eben damit leben, dass ihr Leid immer wieder im Mai kulminiert. Die Summe ist dieselbe, nur die Verteilung ist eine andere.uli hoeneß

Dass sich bereits der ein oder andere Spieler die Karriere durch einen Wechsel an die Isar versaut hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch die Rettungsaktionen, mit denen die Bayern anderen Vereinen schon oftmals wieder auf die Beine geholfen haben, machen den Klub nicht unbedingt sympathischer. Denn hinter dieser geheuchelten Freigiebigkeit verbirgt sich doch nichts anderes als Imagepflege auf billigste Art und Weise. Was man den Bayern diese Saison allerdings lassen muss: sportlich bewegen sie sich auf allerhöchstem Niveau. Doch der deutsche Meistertitel kann für die erfolgsverwöhnten Fans nach zwei Jahren Abstinenz allenfalls der Anfang sein. Erst die finale Phase Ende Mai wird zeigen, inwiefern diese Saison als wahrer Erfolg zu bewerten ist. Wie immer gilt also: wer im Mai lacht, lacht am besten.

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Halbfinale der Giganten?

Im Flutlicht wirft einen Blick auf die anstehenden Begegnungen im Viertelfinale der Champions League. Welche Mannschaften haben die besseren Karten?

Mit dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Real Madrid und dem FC Barcelona haben die wohl derzeit vier besten Vereine Europas – außer dem selbsterklärten Champions League-Aspiranten aus Hoffenheim – das Viertelfinale der Champions League erreicht. Und wie es das Schicksal wollte, wurde keiner dieser Giganten einem anderen zugelost. Somit darf weiterhin von einem monstermäßigen Halbfinale geträumt werden. Doch wird es wirklich ein Spaziergang für die Favoriten werden und wie realistisch erscheint somit ein Halbfinale der Giganten?

Morgen kommt es zum ersten Aufeinandertreffen der amtierenden Meister aus Spanien und der Türkei. Der Nobelklub Real Madrid empfängt Galatasaray Istanbul, das Altenheim der Champions League. Auf den ersten Blick scheint dies eine klare Angelegenheit für die Madrilenen zu sein. Sollte die Rentnertruppe aus Istanbul ronaldo-sauermorgen im Santiago Bernabeu nicht über sich hinauswachsen, wird Real sich für das Rückspiel am nächsten Dienstag eine bequeme Ausgansposition sicher können. Die Reise an den Bosporus könnte für das weiße Ballett in gewisser Weise eine Art Kaffefahrt werden. Doch auch Kaffefahrten können böse enden, vor allem wenn das Ziel die Türk Telekom Arena, eine Art Vorhof der Hölle, ist. In der Heimspielstätte von Galatasaray wurde vor gut zwei Jahren eine Lautstärke von knapp 132 dB gemessen, was etwa einem startenden Flugzeug entspricht. Die türkischen Fans werden ihre Mannschaft nach bedingungslos nach vorne peitschen. Auch für die Königlichen, denen eigentlich kein Stadion Europas fremd ist, wird dies kein Zuckerschlecken werden. Die größte Gefahr bei diesem Duell besteht folglich darin, dass sich die Spanier zu sicher sind und gedanklich schon im Halbfinale sind. Doch der türkische Meister um die Altstars Sneijder und Drogba sollte nicht unterschätzt werden, zumal auch andere Spieler wie Burak Yilmaz oder Selcuk Inan ein Spiel alleine entscheiden können. In einem Frankfurter Fast-Food Restaurant wurde ich jüngst zudem auf folgende statistische Besonderheit aufmerksam gemacht: Galatasaray hat Schalke 04 in der Champions League rausgeworfen, die Gelsenkirchener wiederum konnten in dieser Bundesliga-Saison zwei Derbysiege gegen Dortmund einfahren und die Borussen holten in der Vorrunde der Champions League vier Punkte gegen die Madrilenen. Schade, dass Fußball nicht immer so einfach ist, denn wenn die Mannschaft von Jose Mourinho den Gegner nicht unterschätzt, sollte ein Weiterkommen für den spanischen Meister kein Problem sein. Für Galatsaray, die mit ihrer Mannschaft gute Chancen auf eine Finalteilnahme in der AH-Champions League hätten, ist mit dem Viertelfinale gegen Real das Ende der Fahnenstange erreicht. Die portugiesische Zaubermaus Cristiano Ronaldo wird sich mit dem Weinen also noch etwas gedulden müssen.

Bereits heute Abend empfängt der französische Hauptstadtverein PSG das Tiki-Taka-Ensemble aus Barcelona. Äußerst brisant ist dabei, dass die Sperre des schwedischen Egozentrikers Zlatan Ibrahimovic, die er sich im Achtelfinal-Hinspiel in Valencia eingehandelt hatte, kurzfristig auf ein Spiel reduziert wurde. Somit kann der selbsterklärte beste Fußballer der Welt beim Duell gegen seinen alten Arbeitgeber, die wohl wirklich beste Mannschaft der Welt, mitwirken. Gute Erinnerungen an die katalanische Metropole dürfte er allerdings nicht allzu viele besitzen. Und auch die Aussichten für die beiden Viertelfinal-Spiel sehen nicht allzu rosig aus: das Spielzeug einer katarischen Investorengruppe quälte sich iibra-barcam Achtelfinal-Rückspiel gegen Valencia mit Mühe und Not eine Runde weiter, während Lionel Messi und Co. den Bus, den der AC Milan vor seinem Tor geparkt hatte, in seine Einzelteile zerlegten. In der Liga gehen beiden Mannschaften mit traumwandlerischer Sicherheit auf den Meistertitel zu. Auch wenn sich die Katalanen am vergangenen Wochenende einen erneuten Ausrutscher in der Liga leisteten, so scheint die Talsohle des in zwei Niederlagen gegen Erzfeind Real gipfelnden Formtiefs längst durchschritten. Zwar ist auch Paris derzeit gut in Form, doch die Mannschaft wirkt – welch Wunder – wie ein wahllos zusammengewürfelter Haufen großer Individualisten. Das mag für die Ligue 1 und für Valencia reichen, nicht aber für das katalanische Starensemble, das mannschaftlich viel geschlossener wirkt. Und über die individuellen Fähigkeiten der Spieler des FC Barcelona muss hier wohl kein Wort verloren werden. Zwar wird Carlo Ancelotti seine Mannschaft taktisch hervorragend einstellen, doch es darf bezweifelt werden, ob PSG teamtaktische Anweisungen konsequent umsetzen wird und ob sie kämpferisch dagegen halten werden. Sonst laufen sie Gefahr, Spielzeug des FC Barcelona zu werden. Auch hier, ein Ausbleiben katalanischer Hybris vorausgesetzt, sollte sich der „Gigant“ also durchsetzen können. Und Zaltan, den sie in Schweden auch Zlatan nennen, wie ein ZDF-Kommentator bei der letzten EM richtig erkannte, muss sich wohl noch etwas mit dem ersten Champions-League Titel gedulden. PSG indes sollte den Schweden am besten nach der Saison verkaufen, denn dann stehen die Chancen auf den Titelgewinn im nächsten Jahr ganz gut: jeweils im Jahr nach seinem Abschied, konnten sich seine Ex-Vereine Inter Mailand und der FC Barcelona die europäische Krone aufsetzen. Zwar wird diese Serie durch den AC Milan dieses Jahr unterbrochen, doch einen Versuch dürfte es ja wert sein.

Deutlich unberechenbarer dürfte das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Malaga werden. Zwar war man in Dortmund nach der Auslosung sichtlich erleichtert, doch so wirklich weiß niemand, was man von der spanischen Wundertüte erwarten darf. Die finanzielle Situation bei den Andalusiern ist weiterhin arg angespannbvb-clt. Diese Zeiten, die in Dortmund auch nicht allzu unbekannt sein dürften, hat der BVB aber glücklicherweise schon hinter sich. Sportlich wird es mit Sicherheit ein spannendes Duell: die Borussen sind in dieser Saison auf europäischer Bühne schon das eine oder andere Mal über sich hinausgewachsen und verfügen über eine Mannschaft, die sich berechtigte Hoffnungen auf das Halbfinale machen darf. Auch Malaga konnte – in einer jedoch zugegebenermaßen etwas schwachen Gruppe mit Milan, Anderlecht und Zenit – überzeugen und zog verdient ins Achtelfinale ein, wo dann der FC Porto besiegt wurde. Die Andalusier verfügen mit Spielern wie Isco, den Altstars Saviola und Toulalan, und den Ex-Bayern Demichelis und Santa Cruz über eine hohe Qualität im Kader und werden somit keine Laufkundschaft für den BVB sein. Auch wenn die Dortmunder als leichter Favorit ins Rennen gehen und auf jeden Fall in der Lage sind, die Erkundungsfahrt des FC Malaga in der Champions League zu beenden, so wird es doch ein umkämpftes Duell werden, an dessen Ende die Dortmunder wahrscheinlich als Sieger den Ring verlassen dürften.

Beim Gedanken ans letzte Aufeinandertreffen bekommt Gianluigi Buffon noch heute Rückenschmerzen, wie der Juve-Torwart auf der Pressekonferenz vor dem Hinspiel in München verriet. Doch so deutlich wie damals in Turin, als Hans-Jörg Butt die Bayern mit einem verwandelten Strafstoß auf die Siegerstraße brachte, wird es in den beiden kommenden Duellen zwischenbayern-juve dem italienischen und dem deutschen Rekordmeister wohl nicht werden. Bayern-Fan Simon „Birdie“ Lanfermann erklärte vor wenigen Wochen in einem Interview mit Im Flutlicht, dass sich die Münchener zwar vor niemandem fürchten müssten, doch dass ein Duell mit einer italienischen Mannschaft ihm und wohl auch anderen Bayern-Fans einige Sorgenfalten auf die Stirn treiben würde. Durchaus verständlich, denn das wirklich letzte Aufeinandertreffen gab es eigentlich bei der EM letzten Jahres, als Deutschland in Warschau gegen Italien Baden ging. Klingt komisch? Ist aber gewissermaßen so! Denn grundsätzlich verkörpern die beiden Nationalmannschaften die Spielsysteme dieser beiden Topklubs. Dass Jogi Löw sich gerne am Bayern-Block bedient und auch nahezu dasselbe System wie Bayern-Trainer Jupp Heynckes spielen lässt, dürfte nicht allzu neu sein. Doch auch Italien-Coach Cesare Prandelli greift mit dem 3-5-2 auf ein System zurück, das für den amtierenden Meister Juventus typisch ist. Meist bilden sogar die drei Juve-Abwehrrecken Barzagli, Bonucci und Chiellini die Dreierkette in der Nationalmannschaft und neben Buffon im Tor bekleiden mit Andrea Pirlo und Claudio Marchisio zwei Schlüsselspieler der alten Dame wichtige Positionen im zentralen Mittelfeld. Offensiv sollten sich die Italiener am HSV orientieren, der jüngst vormachte, wie man zwei Tore gegen die Bayern in einem Auswärtsspiel schießt. Defensiv sollte sich das von Antonio Conte trainierte Team allerdings ein anderes Vorbild suchen bzw. genau das Gegenteil tun, was die Hamburger am letzten Wochenende in München versuchten. Heynckes indes sollte sich nicht an Löw’schen Spielereien à la Kroos auf Rechtsaußen versuchen, sondern effektivere Mittel finden, um die Kreise von Juve-Regista Andrea Pirlo zu stören. Denn es wird ein entscheidender Faktor sein, wie und ob die Münchener es schaffen werden, den mit chirurgischer Präzision arbeitenden Ballverteiler der Turiner an seiner Arbeit zu hindern. Insgesamt verfügt Bayern wohl über mehr spielerische Klasse als die Alte Dame, doch sollte Juventus im Stile italienischer Mannschaften eine taktisch einwandfreie Leistandreaung darbieten, wird es für die erfolgsverwöhnten Bayern alles andere als ein Honiglecken werden. Die Bayern sollten geduldig und ruhig bleiben, und Manuel Neuer in seinem Tor.

Alles in allem erscheint ein Halbfinale der Giganten durchaus realistisch. Real, Barcelona und Dortmund gehen als Favoriten in die jeweiligen Duelle, beim Aufeinandertreffen Bayern – Juventus stehen die Chancen etwa 50:50. Zwar hat die Alte Dame den Vorteil im Rückspiel Heimrecht zu besitzen, doch daraus kann genauso schnell ein Nachteil werden, da Auswärtstore der Bayern beim Spiel am nächsten Mittwoch dann im wahrsten Sinne des Wortes doppelt so weh tun. Sinn und Unsinn der Auswärtstorregel seien da mal außen vor. Was jedoch ein Halbfinale der Giganten weniger wahrscheinlich erscheinen lässt, ist das eherne Gesetz des Fußballs, dass sich meist nicht alle Favoriten durchsetzen können. Somit besteht auch und zurecht Hoffnung für Galatasaray, PSG und den FC Malaga, das Halbfinale der Champions League wider Erwarten vielleicht doch zu erreichen.

Entzaubert

Bis zuletzt schien die katalanische Übermannschaft auf dem Weg zu einer weiteren Rekordsaison. Doch innerhalb der letzten beiden Wochen haben sich die Vorzeichen schlagartig verändert.

Pünktlich zu Saisonbeginn hatte der FC Barcelona seine Tici-Taca-Maschine wieder angeworfen. Dazu ein Lionel Messi, der spielte wie von einem anderen Stern und im abgelaufenen Kalenderjahr so viele Tore erzielte, wie noch nie ein Spieler zuvor. Das Barca unter Tito Vilanova schien unaufhaltsam, der Weg zum Gewinn des Tmessi-barcariples geebnet. Woche für Woche wurden die meist hilflos und überfordert wirkenden Gegner in La Liga von der katalanischen Pressingmaschinerie überrollt. Lediglich einmal wurde die ansonsten makellos weiße Weste des FC Barcelona befleckt: das Champions League Auswärtsspiel beim Celtic FC ging mit 1:2 verloren, was dem Erfolgserie der Katalanen in der heimischen Liga jedoch auch keinen Abbruch tun sollte. In der Hinrunde musste man sich nur im Clasico mit einem Unentschieden zufrieden geben, ansonsten wurde alles gnadenlos in Grund und Boden geballert. Zudem schien es so, als hätte man den Abgang von Trainerlegende Pep Guardiola problemlos kompensiert. Mehr noch: man konnte sogar den Eindruck gewinnen, dass sich die Mannschaft unter dem neuen Mann an der Seitenlinie, Tito Vilanova, weiterentwickeln würde. Der FC Barcelona in der Ära nach Guardiola schien flexibler, variabler und anpassungsfähiger als zuvor. Was eine bedeutende Entwicklung darstellen sollte, denn schließlich scheiterte man in der abgelaufenen Saison im Halbfinale der Champions League vor allem deswegen, da es zum bekannten Tici-Taca schlicht und einfach keinen Plan B gab.

Der erste, kleinere Rückschlag in dieser Saison erfolgte Mitte Januar: Barca musste die erste Niederlage der laufenden La Liga-Spielzeit hinnehmen. Trotz eines eigentlich komfortablen 2:0 Vorsprungs musste man sich Real Sociedad am Ende mit 2:3 geschlagen geben. Doch gleich am nächsten Spieltag wurde CA Osasuna im heimischen Camp Nou standesgemäß mit 5:1 zerlegt und wieder nach Hause geschickt. Auch auf das folgende Unentschieden in Valencia hatte man die passende Antwort parat, der Getafe CF wurde zuhause mit 6:1 vermöbelt. Insgesamt schien es so, als würde es der FC Barcelona in der Liga nun ein wenig schleifen lassen, was angesichts des riesigen Vorsprungs auf den ärgsten Verfolger, Atletico Madrid, allerdings nicht weiter verwunderte. Zudem hatte man den entscheidenden Teil der Saison, die oftmals beschworene „heiße Phase“ noch vor sich, was ein mögliches Schonen der auch in Barcelona nur begrenzt vorhandenen Kräfte logisch erscheinen ließ. Doch genau jetzt, da diese wichtige Phase der Saison begonnen hat, scheint den Katalanen die Puste auszugehen? Oder flattern die Nerven? Fakt ist, dass die Katalanen gerade im Begriffe sind, eine möglicherweise überragende Rekordsaison zu einer überaus enttäuschenden Spielzeit werden zu lassen. Und darüber kann auch die fortwährende Dominanz in der heimischen Liga nicht hinwegtäuschen.

Vor gut zwei Wochen trat Barca zum Hinspiel des Champions League-Achtelfinales beim AC Milan an. Xavi, Iniesta und Co. gingen als klarer Favorit in die Partie und auch das Ergebnis war mehr als klar: die Itabarca-milanliener verteidigten stark und nutzen ihre Chancen gnadenlos aus, so dass am Ende ein nicht unverdienter 2:0-Sieg für die Lombarden stand. Zwar spielte sich der FC Barcelona in gewohnter Manier am gegnerischen Strafraum fest, doch man biss sich an der massiven, gut stehenden Defensive von Milan die Zähne aus. Was die Zuschauer jedoch viel mehr erstaunen ließ, war die Ideenlosigkeit der Katalanen, denn die Offensive um Superstar Lionel Messi blieb an diesem Abend erstaunlich blass. Hochwertige Chancen waren Mangelware, das Tor von AC-Schlussmann Abbiati geriet nur wenige Male ernsthaft in Gefahr. Natürlich ist es durchaus möglich, dass die Katalanen dieses Ergebnis im Rückspiel noch umbiegen, schließlich wurde der Auftritt im Camp Nou schon für mehrere Teams zu deren schlimmstem Albtraum. Die Bayern von 2009 können ein Lied davon singen, aber auch Milan bekam erst in der letzten Saison ziemlich übel auf die Mütze. In der Champions League scheint für Barca noch nicht alles verloren, jedoch bedarf es im Rückspiel gegen die Italiener einer weiteren dieser verzaubernden Europapokalnächte, für die die Katalanen ja bekannt sind. Wenn Lionel Messi es wieder einmal schaffen sollte, die Zuschauer mit unwiderstehlichen Dribblings und Traumtoren zu verzücken, so dass ihm die ganze Welt zu Füßen liegt, dann sollte ein Weiterkommen für die Blaugrana möglich sein.

Doch diese herbe Pleite gegen die Mailänder stellt nur den kleineren Schandfleck dar, zumal das Aus der Katalanen aufgrund des ausstehenden Rückspiels noch keineswegs besiegelt ist. Schwerer wiegen da die Ereignisse der letzten Woche: zwei bittere Clàsico-Schlappen binnen weniger Tage. Zunächst die Niederlage im Halbfinal-Rückspiel der Copa del Rey, dann die Pleite im Ligaspiel bei Real Madrid. Die Pokalschlappe war eines der schwächsten Spiele Barcelonas der letzten Jahre und das Ligaspiel ging verloren, obwohl Real-Coach Mourinho einige seiner wichtigsten Stammkräfte schonte. Während die Königlichen in Mourinhos Premierensaison gegen den FC Barcelona immer den Kürzeren zogen, bis auf das Pokalfinale, so scheint es nun so, als hätte Mourinhos Real den Erfolgschlüssel der Katalanen decodiert. Obwohl Real bedeutend schwächer zu sein scheint als letzte Saison, konnten sie Barca diese Saison erfolgreich die Stirn bieten: Sieg in der Supercopa, Einzug ins Finale der Copa del Rey und vier Punkte aus den beiden Ligaspielen. Deshalb tun diese beiden Niederlagen umso mehr weh. Statt Wiedergutmachung müssen nun noch tiefere Wunden geleckt werden. Was außerdem erstaunlich erscheint, ist, dass Real mittlerweile gegen die Katalanen nicht nur auf Spielzerstörung aus ist, sondern dem Erzrivalen auf Augenhöhe begegnet und seinerseits spielerisch aktiv wird. Es scheint, als wäreclasico1 die Dominanz des FC Barcelona dahin, der Zauber des Tici-Taca durch Taktik-Guru Mourinho gebrochen.

Alles in allem scheint es nun so, als stünde der FC Barcelona nach den Ereignissen der letzten beiden Wochen bereits vor den Trümmern einer noch nicht einmal beendeten Saison, die zudem so gut begonnen hatte. Der Ligatitel ist den Katalanen so gut wie sicher, doch damit allein gibt sich bei der Blaugrana niemand zufrieden. Somit bleibt Barca vorerst noch ein Spiel, nämlich das Rückspiel gegen den AC Milan, um alle Kritiker Lügen zu strafen und zu zeigen, dass der Schein trügt und die erfolgreiche Ära des FC Barcelona noch lange nicht zu Ende sein muss. Falls sie dieses Ziel verfehlen sollten, werden sie sich allerdings unangenehmeren Fragen stellen müssen, wie zum Beispiel jener, ob der Tici-Taca à la Barcelona wirklich der Fußball der Zukunft ist.

Mythos Fünfjahreswertung

Immer wieder bekommt man erzählt, dass man aufgrund der Fünfjahreswertung doch international zu den deutschen Klubs halten sollte. Im Flutlicht erklärt, warum die Länderwertung jedoch gar nicht so toll und wichtig ist, wie sie zu sein scheint.

Für die meisten Fußballfans hierzulande gilt, dass international immer zu den deutschen Mannschaften gehalten wird. So kommt es, dass sich Fans des 1. FC Köln plötzlich über Siege der Gladbacher Borussia freuen, oder Anhänger des TSV 1860 auf einmal den „Roten“ aus der bayerischen Landeshauptstadt die Daumen drücken. Eigentlich undenkbar, doch die Fünfjahreswertung der UEFA macht’s möglich. Kurz gesagt: wo eigentlich Rivalitäten vorherrschen, entstehen plötzlich Gemeinsamkeiten, aus den größten Feinden werden die besten Freunde. Damit scheint die Länderwertung all das zu verwirklichen, was kein Sicherheitskonzept der Welt zu erreichen scheint: Fußballfans rivalisierender Vereine in völlig friedlicher Koexistenz. Natürlich entspricht das nicht ganz der Wirklichkeit, denn es gibt genug Fans die immer gegen den verhassten Erzfeind sind, egal ob auf nationaler oder europäischer Ebene. Faszinierend ist dennoch, wie viele Fußballfans sich an diesem Grundsatz orientieren, international den deutschen Teams verbunden zu sein und ihnen die Daumen zu drücken.

Nun gibt es mehrere Gründe, warum sich Fans so verhalten, doch immer spielt dabei die Fünfjahreswertung eine zentrale Rolle. Zunächst liegt es eben vor allem an der Fünfjahreswertung, dass die Vergleiche europäischer Klubwettbewerbe plötzlich zum Kräftemessen zwischen den Nationen werden. Somit gewissermaßen die perfekte Spielwiese für Patrioten. Gerade in Deutschland, wo Patriotismus immer noch ein schwieriges Thema ist, ist Sport, insbesondere der Fußball, für viele identitätsstiftend. Vor allem seit der Weltmeisterschaft 2006 ist zu beobachten, dass viele Menschen ihre Liebe zum eigenen Land durch Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft zum Ausdruck bringen. Aber auch die Solidarisierung mit anderen Klubs aus Deutschland bei internationalen Partien ist in gewisser Weise Ausdruck von Nationalstolz. Zudem stellt es in diesem Zusammenhang kein Problem dar, wenn das nationale Interesse in den Mittelpunkt gerückt wird. Wobei die Frage bleibt, warum jemand, der mit Patriotismus nicht so viel am Hut hat, den deutschen Klubs die Daumen drücken sollte.

Auch der nächste Grund steht bedeutend im Zusammenhang mit der Fünfjahreswertung. Viele Fans fiebern mit den deutschen Mannschaften, da sich ihrer Meinung nach somit die Chancen erhöhen würden, dass das eigene Team in den nächsten Jahren vielleicht mal international mitmischt, weil die Bundesliga über mehr Startplätze verfügt. Grundsätzlich nicht falsch gedacht, aber ganz nüchtern betrachtet gibt es allerdings nur wenige Gründe aus diesem Anlass für die deutschen Mannschaften zu sein, denn es hängt auch noch wesentlich davon ab, von welchem Klub man Fan ist. Einerseits kann es Anhängern von Arminia Bielefeld oder dem VfL Osnabrück ganz egal sein, wie sich die deutschen Mannschaften in der Champions League schlagen. Andererseits erfahre ich als Fan der Frankfurter Eintracht derzeit, dass es doch gar nicht so unwichtig ist, dass der vierte Platz zur Qualifikation für die Champions League berechtigt. Wobei man aber nicht vergessen sollte, dass diese Situation durch die sportliche Leistung der Eintracht und nicht durch Daumendrücken für den FC Bayern entstanden ist. Dies gilt auch ganz besonders für den VfL Wolfsburg oder dem vor der Saison selbsterklärten Europapokal-Aspiranten TSG Hoffenheim, denn wer auf europäischer Bühne mitmischen will, muss sich zunächst sportlich dafür qualifizieren. Da hilft es nichts, wenn man international die anderen deutschen Klubs unterstützt. Deshalb sollten Anhänger einiger Vereine eher hoffen, dass die vereinseigenen Funktionäre in Zukunft ein glücklicheres Händchen beweisen, anstatt zu glauben, dass man auch bald international spielen werde, wenn man international die anderen Mannschaften aus Deutschland unterstützt.

Auch wird immer wieder angeführt, dass die Fünfjahreswertung den Wettbewerb beleben würde und es schwächeren Ländern ermöglichen würde, mehr Startplätze zu erhalten. Dabei ist es gerade die Länderwertung selbst, die den Wettbewerb stark einschränkt. Zwar ist es möglich, dass sich Länder in der Fünfjahreswertung durch eine erfolgreiche Spielzeit kurzfristig nach oben schieben, langfristig jedoch kann sich kaum eine Nation bedeutend verbessern. Schließlich heißt es ja auch Fünf- und nicht Einjahreswertung. Womit klar wird, dass ganz entscheidend ist, dass durch die Beurteilung langfristiger Zeiträume die Verteilung der Startplätze relativ starr bleibt, Diese Tatsache hilft vor allem den Vereinen aus den großen Nationen, da diese dadurch mit einer gewissen Sicherheit mit den Einnahmen aus dem internationalen Geschäft planen können. Somit hilft die Fünfjahreswertung nicht den schwächeren Nationen, sondern sie sorgt dafür, dass die Verhältnisse und Strukturen größtenteils unverändert bleiben. Nun könnte man dem entgegen halten, dass es z.B. noch nie ein Team geschafft hat, den Titel des Champions League-Siegers zu verteidigen, was ja eigentlich für einen spannenden und offenen Wettbewerb spricht. Wenn man jedoch genauer hinsieht, bemerkt man, dass es bis auf äußerst wenige Ausnahmen und Überraschungen immer wieder dieselben Mannschaften sind, die in der Champions League weit kommen und den Titel somit quasi unter sich ausmachen.

Zudem ergibt sich für die Bundesliga noch ein ganz spezielles Problem. Die Bundesliga hat sich in den letzten Jahren zu einer der ausgeglichensten Ligen Europas entwickelt, was positiverweise zeigt, dass der Wettbewerb in Deutschland deutlich offener ist als in anderen europäischen Ligen, wie z.B. der spanischen La Liga. Doch genau diese Ausgeglichenheit macht einigen Anhängern in Hinblick auf die Fünfjahreswertung Sorgen. Denn je ausgeglichener die Liga, desto höher natürlich die Chancen, dass vermeintlich schwächere Mannschaften für Deutschland in Europa an den Start gehen. Diese Teams profitieren vor allem davon, dass etablierte Kräfte schwächeln und sie selbst über ihren Möglichkeiten gespielt haben. Borussia Mönchengladbach ist ein treffendes Beispiel hierfür, auch wenn sich die Mannschaft in der laufenden Saison auf europäischer Bühne beachtlich geschlagen hat. Und wenn man sich die aktuelle Tabelle der Bundesliga anschaut, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass zur nächsten Saison Klubs wie Frankfurt, Mainz und Freiburg international mitspielen. Für jeden Verfechter der Fünfjahreswertung mit Sicherheit ein Schreckensszenario, da somit die Ausgeglichenheit der Bundesliga, die einerseits ihre Attraktivität ausmacht, andererseits ihr zum Verhängnis werden könnte. Wen die Fünfjahreswertung jedoch nicht kümmert, der darf sich darauf freuen, dass man in der nächsten Saison vielleicht neue Gesichter auf europäischer Bühne bestaunen darf und kann auch weiterhin guten Gewissens international gegen die deutschen Klubs sein.

Wer sich dennoch für die Fünfjahreswertung interessiert:

Offizielle Fünfjahreswertung der UEFA

Aktuelle (aber inoffzielle) Fünfjahreswertung