Der ungeliebte Meister

Rekorde über Rekorde. Das ist der FC Bayern anno 2013.  Die Bayern verzaubern mit ihrem Fußball, eilen von Sieg zu Sieg und sind der früheste deutsche Meister aller Zeiten. Dennoch gibt es genügend Fußballfans, die den Bayern die Schale nicht gönnen. Das hat einen einfachen Grund: sie besitzen in ihrem tiefsten Inneren eine Abneigung gegen die Münchener. Im Flutlicht erklärt, warum man den deutschen Rekordmeister nicht mögen muss.triumvirat

Es gibt wohl kaum einen anderen Klub, dessen Führungsebene so von unsympathischen Grantlern durchsetzt ist, wie die des FC Bayern München. Ganz an der Spitze natürlich das Triumvirat der Antipathie, die Achse bestehend aus Hoeneß, Rummenigge und Sammer. Im Grunde genommen stellt jeder einzelne der drei einen Grund dar, warum es legitim ist, eine gewisse Abneigung gegen den deutschen Rekordmeister zu haben. Dass darüber hinaus Transrapid-Vordenker Edmund Stoiber und der Mann für die ganz harten Fakten, Ex-Chef des Focus Helmut Markwort, im Verwaltungsbeirat des Vereins sitzen, macht die ganze Truppe auch nicht gerade angenehmer. Mit Matthias „Motzki“ Sammer scheint außerdem endlich der richtige Nachfolger für Uli Hoeneß gefunden zu sein. Der tragische Held des EM-Finales 1976 in Belgrad war über viele Jahre Leiter der sogenannten „Abteilung Attacke“, die, je nach Bedarf, ganz Deutschland und teilweise sogar Europa mit ihren Giftpfeilen übersäte. Da der erste Hoeneß-Nachfolger Christian Nerlinger das Charisma einer Stubenfliege besaß und er nicht die nötige Eloquenz vorweisen konnte, brauchte es einen Mann, der in die Meckerstapfen von Hoeneß treten konnte. Sammer, der beim DFB bisweilen zu sehr aneckte, bringt neben ausgezeichneter Grantlerei außerdem eine weitere wichtige Eigenschaft mit: auch er besitzt die Qualität, seinen Kopf je nach Situation in sämtlichen Rottönen erglühen zu lassen. Das dürfte besonders für Würstchen-Mogul und Logen-Abzocker Hoeneß mit Sicherheit ein bedeutendes Kriterium gewesen sein. Das Problem der Münchener hierbei ist, dass ihre „Abteilung Attacke“ nicht nur ein gesundes Maß an Offensive und Aggressivität aufweist, sondern oftmals mit herablassenden Äußerungen über das Ziel hinaus schießt.

Wobei wir beim unversiegbaren mia-san-uliQuell des Bayern-Hasses wären: die oftmals beschworene „Mia-san-mia“-Mentalität. Das ist bayerisch und bedeutet in etwa so viel wie Hochmut oder Arroganz. Während es gegen ein gesundes Selbstbewusstsein keinesfalls etwas einzuwenden gibt, ist diese Selbstüberhöhung gepaart mit Respektlosigkeit einfach nur abstoßend. Immer dann, wenn sie erfolgreich sind, meinen die Bayern nämlich, den anderen eins reindrücken zu müssen. Anstatt sich einfach nur über den eigenen Erfolg zu freuen, tritt man weiter auf die ein, die sowieso schon am Boden liegen. Und das stößt eben bei vielen, die es nicht so mit den Münchenern halten, nicht gerade auf Gegenliebe. Deshalb braucht man sich beim FCB auch nicht wundern, dass anderen Mannschaften und deren Fans Siege gegen die Bayern ganz besonders gut schmecken, wenn man kaum einen Gegner mehr ernst nimmt und jeder Gegner schon vor dem Spiel als Laufkundschaft abgetan wird. Wenn die Bayern ihren Ansprüchen allerdings hinterherhinken, so wie die letzten beiden Jahre, ist ihre „Mia-san-mia“-Mentalität ein Schuss ins eigene Tor. Oder wie man sagen könnte, um das Phrasenschwein zu mästen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Doch nicht nur die Führungsriege und der bayerische Übermut sind eindeutige Minuspunkte: auch die Fans der Münchener machen den Klub nicht gerade sympbayern-chelsea-niederlageathischer. Das zeigt sich vor allem daran, dass die meisten Fans der Bayern nicht Fans des Vereins selbst, sondern nur Fans des Erfolgs, den der Verein verzeichnet, sind. Natürlich sind nicht alle Fans des FCB so, es gibt auch welche, denen wirklich etwas an ihrem Verein liegt. Doch um weiter munter Phrasen zu dreschen, könnte man auch sagen: diese Ausnahmen bestätigen die Regel. Was aber allgemein ein Symptom des Bayern-Virus ist, das so gute wie alle Infizierten vorweisen: die herablassende Art, mit der die Fans der Münchener über ihre Gegner herzuziehen pflegen. Sollten die kühnen Voraussagen der FCB-Anhänger allerdings einmal nicht eintreten und entgegen aller Erwartungen ein Spiel verloren gehen, so sind wahlweise der Schiedsrichter, die überhart spielenden und zu tief stehenden Gegner oder – frei nach Uli Hoeneß – der sich in miserablem Zustand befindende Platz Schuld. Aber nicht die Bayern selbst. Nein, ganz bestimmt nicht.

Stimmungsmäßig sind die Bayern in etwa im unteren Mittelfeld der Liga anzusiedeln. Auch wenn man bei Auswärtsspielen der Bayern immer wieder feststellen muss, dass die aktive Fanszene der Münchener nicht zu unterschätzen ist, so ändert dies nichts an der miesepeterigen Stimmung in der Allianz Arena. Gegen dieses zuhauf vorhandene stimmungsmäßige Negativpotential kommt die Südkurve allein einfach nicht an. Es verwundert somit nicht, dass sich der Gästeanhang akustisch oftmals besser Geltung zu verschaffen weiß, obwohl in das hinterletzte Eck des Hoeneß’schen Wohnzimmers verfrachtet. Für die Bayern-Fans ist ein Sieg so natürlich, wie es für die Fans der Fürther bis letzte Saison der Nicht-Aufstieg war. Warum sollte man sich also über einen Sieg freuen, wenn man dies doch sowieso jede Woche machen kann?

bayern-fans-traurigOftmals sagen Fans anderer Vereine, dass es leicht sei, ein Fan des FC Bayern zu sein. Diese kontern dann meist mit dem Spruch, dass man als Fan der Münchener genauso, wenn nicht sogar mehr leiden müsse, wie ja das Champions League-Finale des letzten Jahres bewiesen hätte. Dazu kann man nur sagen: die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Als Fan eines abstiegsbedrohten Bundesligisten muss man bereit sein, Woche für Woche wieder das Leid einer Niederlage zu erfahren. Die siegestrunkenen Fans der Bayern, die dieses Gefühl gar nicht kennen, reden oftmals davon, dass die Bundesliga nur eine Art Training sei und in Wahrheit „nur die ganz großen Spiele“ (O-Ton der überragenden Mehrheit der Bayern-Fans) zählen. Man konzentriert sich in München also auf das Wesentliche – was heißen soll: Champions League. Aber muss jemand, der nur auf die „ganz großen Spiele“ hinfiebert, nicht auch bereit sein, „ganz große Niederlagen“ zu erleiden? Während sich bei Fans anderer Klubs das Leid über das ganze Jahr hinweg verteilt, müssen Bayern-Fans eben damit leben, dass ihr Leid immer wieder im Mai kulminiert. Die Summe ist dieselbe, nur die Verteilung ist eine andere.uli hoeneß

Dass sich bereits der ein oder andere Spieler die Karriere durch einen Wechsel an die Isar versaut hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch die Rettungsaktionen, mit denen die Bayern anderen Vereinen schon oftmals wieder auf die Beine geholfen haben, machen den Klub nicht unbedingt sympathischer. Denn hinter dieser geheuchelten Freigiebigkeit verbirgt sich doch nichts anderes als Imagepflege auf billigste Art und Weise. Was man den Bayern diese Saison allerdings lassen muss: sportlich bewegen sie sich auf allerhöchstem Niveau. Doch der deutsche Meistertitel kann für die erfolgsverwöhnten Fans nach zwei Jahren Abstinenz allenfalls der Anfang sein. Erst die finale Phase Ende Mai wird zeigen, inwiefern diese Saison als wahrer Erfolg zu bewerten ist. Wie immer gilt also: wer im Mai lacht, lacht am besten.

Halbfinale der Giganten?

Im Flutlicht wirft einen Blick auf die anstehenden Begegnungen im Viertelfinale der Champions League. Welche Mannschaften haben die besseren Karten?

Mit dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Real Madrid und dem FC Barcelona haben die wohl derzeit vier besten Vereine Europas – außer dem selbsterklärten Champions League-Aspiranten aus Hoffenheim – das Viertelfinale der Champions League erreicht. Und wie es das Schicksal wollte, wurde keiner dieser Giganten einem anderen zugelost. Somit darf weiterhin von einem monstermäßigen Halbfinale geträumt werden. Doch wird es wirklich ein Spaziergang für die Favoriten werden und wie realistisch erscheint somit ein Halbfinale der Giganten?

Morgen kommt es zum ersten Aufeinandertreffen der amtierenden Meister aus Spanien und der Türkei. Der Nobelklub Real Madrid empfängt Galatasaray Istanbul, das Altenheim der Champions League. Auf den ersten Blick scheint dies eine klare Angelegenheit für die Madrilenen zu sein. Sollte die Rentnertruppe aus Istanbul ronaldo-sauermorgen im Santiago Bernabeu nicht über sich hinauswachsen, wird Real sich für das Rückspiel am nächsten Dienstag eine bequeme Ausgansposition sicher können. Die Reise an den Bosporus könnte für das weiße Ballett in gewisser Weise eine Art Kaffefahrt werden. Doch auch Kaffefahrten können böse enden, vor allem wenn das Ziel die Türk Telekom Arena, eine Art Vorhof der Hölle, ist. In der Heimspielstätte von Galatasaray wurde vor gut zwei Jahren eine Lautstärke von knapp 132 dB gemessen, was etwa einem startenden Flugzeug entspricht. Die türkischen Fans werden ihre Mannschaft nach bedingungslos nach vorne peitschen. Auch für die Königlichen, denen eigentlich kein Stadion Europas fremd ist, wird dies kein Zuckerschlecken werden. Die größte Gefahr bei diesem Duell besteht folglich darin, dass sich die Spanier zu sicher sind und gedanklich schon im Halbfinale sind. Doch der türkische Meister um die Altstars Sneijder und Drogba sollte nicht unterschätzt werden, zumal auch andere Spieler wie Burak Yilmaz oder Selcuk Inan ein Spiel alleine entscheiden können. In einem Frankfurter Fast-Food Restaurant wurde ich jüngst zudem auf folgende statistische Besonderheit aufmerksam gemacht: Galatasaray hat Schalke 04 in der Champions League rausgeworfen, die Gelsenkirchener wiederum konnten in dieser Bundesliga-Saison zwei Derbysiege gegen Dortmund einfahren und die Borussen holten in der Vorrunde der Champions League vier Punkte gegen die Madrilenen. Schade, dass Fußball nicht immer so einfach ist, denn wenn die Mannschaft von Jose Mourinho den Gegner nicht unterschätzt, sollte ein Weiterkommen für den spanischen Meister kein Problem sein. Für Galatsaray, die mit ihrer Mannschaft gute Chancen auf eine Finalteilnahme in der AH-Champions League hätten, ist mit dem Viertelfinale gegen Real das Ende der Fahnenstange erreicht. Die portugiesische Zaubermaus Cristiano Ronaldo wird sich mit dem Weinen also noch etwas gedulden müssen.

Bereits heute Abend empfängt der französische Hauptstadtverein PSG das Tiki-Taka-Ensemble aus Barcelona. Äußerst brisant ist dabei, dass die Sperre des schwedischen Egozentrikers Zlatan Ibrahimovic, die er sich im Achtelfinal-Hinspiel in Valencia eingehandelt hatte, kurzfristig auf ein Spiel reduziert wurde. Somit kann der selbsterklärte beste Fußballer der Welt beim Duell gegen seinen alten Arbeitgeber, die wohl wirklich beste Mannschaft der Welt, mitwirken. Gute Erinnerungen an die katalanische Metropole dürfte er allerdings nicht allzu viele besitzen. Und auch die Aussichten für die beiden Viertelfinal-Spiel sehen nicht allzu rosig aus: das Spielzeug einer katarischen Investorengruppe quälte sich iibra-barcam Achtelfinal-Rückspiel gegen Valencia mit Mühe und Not eine Runde weiter, während Lionel Messi und Co. den Bus, den der AC Milan vor seinem Tor geparkt hatte, in seine Einzelteile zerlegten. In der Liga gehen beiden Mannschaften mit traumwandlerischer Sicherheit auf den Meistertitel zu. Auch wenn sich die Katalanen am vergangenen Wochenende einen erneuten Ausrutscher in der Liga leisteten, so scheint die Talsohle des in zwei Niederlagen gegen Erzfeind Real gipfelnden Formtiefs längst durchschritten. Zwar ist auch Paris derzeit gut in Form, doch die Mannschaft wirkt – welch Wunder – wie ein wahllos zusammengewürfelter Haufen großer Individualisten. Das mag für die Ligue 1 und für Valencia reichen, nicht aber für das katalanische Starensemble, das mannschaftlich viel geschlossener wirkt. Und über die individuellen Fähigkeiten der Spieler des FC Barcelona muss hier wohl kein Wort verloren werden. Zwar wird Carlo Ancelotti seine Mannschaft taktisch hervorragend einstellen, doch es darf bezweifelt werden, ob PSG teamtaktische Anweisungen konsequent umsetzen wird und ob sie kämpferisch dagegen halten werden. Sonst laufen sie Gefahr, Spielzeug des FC Barcelona zu werden. Auch hier, ein Ausbleiben katalanischer Hybris vorausgesetzt, sollte sich der „Gigant“ also durchsetzen können. Und Zaltan, den sie in Schweden auch Zlatan nennen, wie ein ZDF-Kommentator bei der letzten EM richtig erkannte, muss sich wohl noch etwas mit dem ersten Champions-League Titel gedulden. PSG indes sollte den Schweden am besten nach der Saison verkaufen, denn dann stehen die Chancen auf den Titelgewinn im nächsten Jahr ganz gut: jeweils im Jahr nach seinem Abschied, konnten sich seine Ex-Vereine Inter Mailand und der FC Barcelona die europäische Krone aufsetzen. Zwar wird diese Serie durch den AC Milan dieses Jahr unterbrochen, doch einen Versuch dürfte es ja wert sein.

Deutlich unberechenbarer dürfte das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Malaga werden. Zwar war man in Dortmund nach der Auslosung sichtlich erleichtert, doch so wirklich weiß niemand, was man von der spanischen Wundertüte erwarten darf. Die finanzielle Situation bei den Andalusiern ist weiterhin arg angespannbvb-clt. Diese Zeiten, die in Dortmund auch nicht allzu unbekannt sein dürften, hat der BVB aber glücklicherweise schon hinter sich. Sportlich wird es mit Sicherheit ein spannendes Duell: die Borussen sind in dieser Saison auf europäischer Bühne schon das eine oder andere Mal über sich hinausgewachsen und verfügen über eine Mannschaft, die sich berechtigte Hoffnungen auf das Halbfinale machen darf. Auch Malaga konnte – in einer jedoch zugegebenermaßen etwas schwachen Gruppe mit Milan, Anderlecht und Zenit – überzeugen und zog verdient ins Achtelfinale ein, wo dann der FC Porto besiegt wurde. Die Andalusier verfügen mit Spielern wie Isco, den Altstars Saviola und Toulalan, und den Ex-Bayern Demichelis und Santa Cruz über eine hohe Qualität im Kader und werden somit keine Laufkundschaft für den BVB sein. Auch wenn die Dortmunder als leichter Favorit ins Rennen gehen und auf jeden Fall in der Lage sind, die Erkundungsfahrt des FC Malaga in der Champions League zu beenden, so wird es doch ein umkämpftes Duell werden, an dessen Ende die Dortmunder wahrscheinlich als Sieger den Ring verlassen dürften.

Beim Gedanken ans letzte Aufeinandertreffen bekommt Gianluigi Buffon noch heute Rückenschmerzen, wie der Juve-Torwart auf der Pressekonferenz vor dem Hinspiel in München verriet. Doch so deutlich wie damals in Turin, als Hans-Jörg Butt die Bayern mit einem verwandelten Strafstoß auf die Siegerstraße brachte, wird es in den beiden kommenden Duellen zwischenbayern-juve dem italienischen und dem deutschen Rekordmeister wohl nicht werden. Bayern-Fan Simon „Birdie“ Lanfermann erklärte vor wenigen Wochen in einem Interview mit Im Flutlicht, dass sich die Münchener zwar vor niemandem fürchten müssten, doch dass ein Duell mit einer italienischen Mannschaft ihm und wohl auch anderen Bayern-Fans einige Sorgenfalten auf die Stirn treiben würde. Durchaus verständlich, denn das wirklich letzte Aufeinandertreffen gab es eigentlich bei der EM letzten Jahres, als Deutschland in Warschau gegen Italien Baden ging. Klingt komisch? Ist aber gewissermaßen so! Denn grundsätzlich verkörpern die beiden Nationalmannschaften die Spielsysteme dieser beiden Topklubs. Dass Jogi Löw sich gerne am Bayern-Block bedient und auch nahezu dasselbe System wie Bayern-Trainer Jupp Heynckes spielen lässt, dürfte nicht allzu neu sein. Doch auch Italien-Coach Cesare Prandelli greift mit dem 3-5-2 auf ein System zurück, das für den amtierenden Meister Juventus typisch ist. Meist bilden sogar die drei Juve-Abwehrrecken Barzagli, Bonucci und Chiellini die Dreierkette in der Nationalmannschaft und neben Buffon im Tor bekleiden mit Andrea Pirlo und Claudio Marchisio zwei Schlüsselspieler der alten Dame wichtige Positionen im zentralen Mittelfeld. Offensiv sollten sich die Italiener am HSV orientieren, der jüngst vormachte, wie man zwei Tore gegen die Bayern in einem Auswärtsspiel schießt. Defensiv sollte sich das von Antonio Conte trainierte Team allerdings ein anderes Vorbild suchen bzw. genau das Gegenteil tun, was die Hamburger am letzten Wochenende in München versuchten. Heynckes indes sollte sich nicht an Löw’schen Spielereien à la Kroos auf Rechtsaußen versuchen, sondern effektivere Mittel finden, um die Kreise von Juve-Regista Andrea Pirlo zu stören. Denn es wird ein entscheidender Faktor sein, wie und ob die Münchener es schaffen werden, den mit chirurgischer Präzision arbeitenden Ballverteiler der Turiner an seiner Arbeit zu hindern. Insgesamt verfügt Bayern wohl über mehr spielerische Klasse als die Alte Dame, doch sollte Juventus im Stile italienischer Mannschaften eine taktisch einwandfreie Leistandreaung darbieten, wird es für die erfolgsverwöhnten Bayern alles andere als ein Honiglecken werden. Die Bayern sollten geduldig und ruhig bleiben, und Manuel Neuer in seinem Tor.

Alles in allem erscheint ein Halbfinale der Giganten durchaus realistisch. Real, Barcelona und Dortmund gehen als Favoriten in die jeweiligen Duelle, beim Aufeinandertreffen Bayern – Juventus stehen die Chancen etwa 50:50. Zwar hat die Alte Dame den Vorteil im Rückspiel Heimrecht zu besitzen, doch daraus kann genauso schnell ein Nachteil werden, da Auswärtstore der Bayern beim Spiel am nächsten Mittwoch dann im wahrsten Sinne des Wortes doppelt so weh tun. Sinn und Unsinn der Auswärtstorregel seien da mal außen vor. Was jedoch ein Halbfinale der Giganten weniger wahrscheinlich erscheinen lässt, ist das eherne Gesetz des Fußballs, dass sich meist nicht alle Favoriten durchsetzen können. Somit besteht auch und zurecht Hoffnung für Galatasaray, PSG und den FC Malaga, das Halbfinale der Champions League wider Erwarten vielleicht doch zu erreichen.

Preistreiber

In England kommt nur noch ins Stadion, wer es sich leisten kann die astronomischen Preise für Eintrittskarten zu bezahlen. Zwar sind wir in Deutschland noch meilenweit von Preisniveau auf der Insel entfernt, doch es gibt auch hierzulande bereits erste ernstzunehmende Entwicklungen in die falsche Richtung.

Wer kurzfristig noch eine Karte für ein Bundesligaspiel ergattern will oder beim Vorverkauf leer ausgegangen ist, für den gibt es im Internet noch eine Anlaufstelle, wo man sich berechtigte Hoffnungen auf Tickets machen kann – falls man denn bereit ist, das dafür nötige Kleingeld auf den Tisch zu legen. Die Rede ist von der Internetplattform Viagogo, wo Tickets für Veranstaltungen jeglicher Art ge- und verkauft werden können. So besitzt diese Form des Tickethandels zweifelsohne Vorteile, die direkt einleuchten: einerseits haben Leute, die ein Event kurzfristig doch nicht besuchen können, die Möglichkeit ihre Eintrittskarten noch loszuwerden und andererseits können dafür andere Leute der Veranstaltung beiwohnen. Es findet somit eine Umverteilung statt, die sowohl den Verkäufer, als auch den Käufer besser stellt. Im wirtschaftlichen Jargon würde man hierbei von einer „pareto-effizienten“ Verteilung sprechen. Doch genug des Lobes.

Schon seit längerem arbeitet Viagogo offiziell mit Vereinen zusammen, so auch mit dem deutschen Branchenprimus FC Bayern. Der chronisch ausverkaufte Rekordmeister hat sich dabei natürlich auch etwas gedacht, denn einerseits konnte somit der vor allem auf ebay florierende Schwarzmarkt eingedämmt werden und andergegen-viagogoerseits sprang für die Münchener dabei auch noch der ein oder andere Euro heraus. Was jedoch nicht heißen soll, dass auf Viagogo alles mit rechten Dingen zugeht. Die Internetplattform ist mittlerweile der Arbeitsplatz vieler professioneller Ticketverkäufer geworden. Diese Spezies reißt sich im Vorverkauf massenhaft Karten unter die Nägel, um diese dann vielfach teurer im Internet anzubieten. Und auch Viagogo profitiert davon: das Unternehmen lässt sich den Service mit horrenden Gebühren bezahlen, die der Käufer zusätzlich zum überteuerten Kaufpreis zu entrichten hat. Vor allem im Zuge des letztjährigen Champions League-Finals äußerten dann auch zahlreiche Anhänger der Bayern ihren Unmut über die Zusammenarbeit des eigenen Vereins mit Viagogo. Es wurde in der Folge vom Verein zwar untersagt, Tickets aus dem Kontingent der Bayern für das Finale im Internet zu versteigern, z.B. über ebay, doch der Weiterverkauf über den offiziellen Partner Viagogo stellte kein Problem dar. Konsequenterweise belegte der FC Bayern die schwarzen Schafe, die es dennoch nicht lassen konnten, Tickets im Internet versteigern zu wollen, mit einer Aberkennung der Mitgliedschaft (denn nur Mitglieder konnten Tickets für das Finale erwerben) und einem lebenslangen Ausschluss aus dem Verein. Andere, die sich mit dem Verkauf über Viagogo schön etwas dazu verdienten, blieben ungestraft, denn die Internetplattform war ja schließlich Partner des Vereins. Doch mittlerweile hat der Verein darauf reagiert und wird die Kooperation mit dem Internetanbieter, die diesen Sommer ausläuft, nicht verlängern.

Fans anderer VviaNOgoereine steht in Bezug auf Viagogo der ganze Ärger noch bevor: so stehen aktuell die Fans des FC Schalke und des Hamburger SV im Fokus. Anhänger der Königsblauen starteten jüngst die Initiative „viaNOgo“ und in der Hansestadt erreichten die Fans, dass der Klub seine Partnerschaft mit der Internetplattform nach nur einem Jahr im Sommer wieder beenden wird. Auf Schalke hatte man weniger Verständnis für den Ärger der Fans übrig. So wurde seitens der Vereinsführung eine für das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf geplante Unterschriftenaktion untersagt, die die wütenden Schalker Anhänger dennoch durchführen wollen. Sie klagen, dass der Verein die Interessen seiner Fans hinter finanzielle Interessen eines zukünftigen Geschäftspartners stellen würde. Und dabei haben die Schalker Fans vollkommen recht, denn ab Sommer soll Viagogo für jedes Spiel der Schalker ein Kontingent über 300 Karten bekommen, dass dann mit bis zu hundertprozentigem Preisaufschlag zuzüglich Gebühren verkauft werden soll. Auch eine vereinseigene Ticketbörse, wo Restkarten bisher zum normalen Preis weiterverkauft werden können, soll ähnlich wie bei den Bayern künftig von Viagogo betrieben werden.

Wie in der aktuellen Ausgabe (#136) von 11Freunde zu lesen ist, regt sich auch auf der Insel Widerstand gegen Viagogo. Jüngst enthüllte ein Bericht der BBC die dunklen Machenschaften der Internetplattform, die gegen die Ausstrahlung gerichtlich geklagt hatte. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Außerdem strebt das Unternehmen laut dem Bericht von 11Freunde langfristig eine Etablierung eines „dynamic pricing“ an: soll bedeuten, dass die Tickets immer teurer werden, je näher das Spiel rückt. Schlussendlich führt das dazu, dass sich die Fans so früh wie möglich Karten sichern wollen, was den Vereinen volle Stadien und eine noch vollere Kasse garantiert. Dass dabei der Fan, der nicht mehr als ein solcher, sondern nur noch als Konsument wahrgenommen wird, damit ein Problem haben könnte, stört Viagogo mit Sicherheit nicht, aber auch einige Vereine könnte das in Anbetracht finanzieller Vorteile kalt lassen. Dabei vergessen die Akteure, die nur noch durch finanzielle Interessen geleitet werden, jeviaNOgo2doch, dass Fußball ein Sport ist, der ganz besonders durch seine Fans lebt. Somit möchte man zunächst denken, dass es für die Anhänger eigentlich leicht sein sollte, den eigenen Verein unter Druck zu setzen und die eigenen Interessen erfolgreich artikulieren und durchsetzen zu können. Doch das Problem ist hierbei, dass der Fußball in den letzten Jahren so an Popularität gewonnen hat, dass es immer irgendwelche Leute, egal ob treue Seele oder Mode-Fan, geben wird, die bereit sind für ein Ticket Unsummen an Geld auszugeben. Initiativen wie z.B. „Kein Zwanni“ in Deutschland oder die „Football Supporters‘ Federation“ unter dem Motto „Twenty’s Plenty“ in England kämpfen für bezahlbare Tickets. Schließlich hat es den Fußball auch schon immer ausgemacht, dass er ein Sport für alle und jeden ist. Auf den Rängen ein Querschnitt durch die Bevölkerung, wie er heterogener kaum sein könnte. Dies ist allerdings nur möglich, wenn Tickets für jedermann bezahlbar bleiben. Ansonsten bleibt der Stadionbesuch den Wohlhabenden vorenthalten und die ärmeren Fans werden sich in Kneipen vor den Fernsehgeräten scharen. Somit stellen auch hierzulande steigende Ticketpreise und Preistreiber wie Viagogo stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Was von der in England einst blühenden Fankultur übrig geblieben ist, konnte man jüngst beim Gastspiel der Bayern im Emirates-Stadium, dem teuersten Stadion auf der Insel, ernüchternd feststellen. Keine Spur von Atmosphäre, die Gästefans beherrschten die Stimmung. Wer sich in Deutschland englische Verhältnisse wünscht, der mag Fan von Fußball als Unterhaltung sein, aber nicht Fan des Sports, der sich an Idealen orientiert, die man sich nicht einfach so kaufen kann. Nicht einmal auf Viagogo.

Hier noch ein Hinweis auf ein brandaktuelles Interview auf 11Freunde.de:
Schalke-Fans gegen Viagogo

Willkommen im „Zirkus Robbéry“

Vor fünf Jahren tobte Uli Hoeneß auf der Jahres-hauptversammlung des FC Bayern, weil sich Fans über die schlechte Stimmung in der Allianz Arena beschwert hatten. Hat sich bis heute daran etwas geändert?

Das Publikum in der Allianz Arena besitzt zwei Gesichter: während bei Champions League-Spielen der Münchener die Stimmung meist recht gut ist, geht es bei Bundesliga-Heimspielen dafür umso ruhiger zu. Doch in dieser Saison herrschte bei den Auftritten in der Königsklasse vor eigenem Publikum Totenstille. Grund dafür war ein Boykott der Südkurve, die ihrem Ärger über die Ankündigung eines neuen Einlass-Systems auf diese Weis Luft machte. Zwar zählt die Münchener Südkurve nicht gerade zu den stimmungsvollsten hierzulande, doch durch ihre Abwesenheit bei den Partien gegen Valencia und Lille stellte sie ihre Bedeutung für die Stimmung in der Arena im Norden Münchens unter Beweis. Da halfen auch keine Klatschpappen, die seit geraumer Zeit ans Münchener Publikum verteilt werden, um eine bessere Atmosphäre bei den Heimspielen der Bayern zu schaffen. Ein Banner in der Südkurve brachte es auf den Punkt: „Klatschpappen kann man kaufen, Stimmung nicht.“

Simply the Bestrobben-riberty

Anscheinend hat sich seit der Wutrede von Uli Hoeneß anno 2007 kaum etwas verändert. Die Zuschauer erwarten weiterhin, dass Robben, Ribéry und Co. ähnlich einem Dompteur im Zirkus ihr Gegenüber beherrschen und vorführen. Meist benehmen sich die Gastmannschaften in der Münchener Arena allerdings nicht wie wilde Tiere, sondern geben sich ganz zahm und bemühen sich um Schadensbegrenzung. Mal werden die Gegner sanft, mal eher unsanft behandelt, je nach Lust und Laune des bayerischen Starensembles. Und das gefällt den Zuschauern. Selten kommt es vor, dass der übermächtig scheinende FC Bayern zuhause von seinen Gegnern genarrt wird. Doch sollte dies passieren, tun sich schnell dunkle Wolken über der Allianz Arena auf, es beginnt zu brodeln und Weltuntergangsstimmung macht sich schnell breit.

Pflichtsieg

Diese Erwartungshaltung des Münchener Publikums trägt maßgeblich dazu bei, dass sich im Wohnzimmer von Uli Hoeneß nicht so recht Stimmung aufkommen will. In der Bundesliga gibt es für die Bayern bei Heimspielen eigentlich nur Pflichtsiege und durch die beiden Finalteilnahmen in der Champions League in den letzten Jahren sind die Ansprüche der Fans auch nicht gerade gesunken. Ein müdes 2:0 gegen eine aufopfernd kämpfende Frankfurter Eintracht zauberte jüngst nur wenig Begeisterung in die Gesichter der anwesenden Zuschauer. Es geht beim FC Bayern eben nicht darum, dass man gewinnt, sondern es geht um das „wie“, auf welche Weise dies also geschieht.

Applaus, Applaus

Ein Tor der eigenen Mannschaft gegen einen Gegner, den man ja sowieso bezwingen muss, stellt für einen Bayern-Fan eigentlich keinen Grund dar, in großem Maße Emotionen zu zeigen. Es handelt sich sklatschpappenchließlich um etwas Selbstverständliches. Kurz aufgestanden, ein wenig im Takt der Tormusik geklatscht – so geht Torjubel in München. Danach setzt man sich wieder und wartet auf das nächste Tor. Ob es die Klatschpappen seit kurzem etwa deshalb gibt, weil das Klatschen auf den Tribünen der Allianz Arena die beliebteste Form von Torjubel ist? Gut möglich. Jubelstürme, ausufernde Begeisterung oder wildfremde Menschen, die sich in den Armen liegen trifft man höchst selten an. Keine Spur von Reaktionen, die einem spontanen Ausdruck der Freude gleich kommen. Alles wirkt einstudiert, das Klatschen erscheint obligatorisch, wie auf einem CSU-Parteitag. Beim Besuch eines Spiels in der Allianz Arena drängt sich somit unweigerlich der Eindruck auf, dass es bei einem Spiele- und Liedernachmittag im Seniorenheim emotionaler und stimmungsvoller zuginge.

Vorreiterrolle

Dennoch sollte man jetzt nicht allein den FC Bayern und die Stimmung in der Münchener Arena verteufeln, denn gewissermaßen ist der deutsche Rekordmeister nur der Vorreiter einer Entwicklung, die sich in meisten Stadien der Bundesliga vollzieht. Die „Eventisierung“ des Fußballgeschäfts ist in vollem Gange, der Sport gleicht mehr und mehr dem Showbusiness. Durch seinen Erfolg ist der FC Bayern zurzeit eben besonders sexy, absolut im Trend sozusagen. Was jedoch zu denken geben muss, ist, dass in München eine solche Entwicklung auch erwünscht ist. Dies wird deutlich an der Unterstützung des DFL-Sicherheitskonzepts „Sicheres Stadionerlebnis“ und den probeweisen Ganzkörperkontrollen von Gästefans beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt vor kurzem. Pyrotechnik ist in München sowieso nicht gern gesehen, auch wenn man selbst gern mal mit einem riesigen Feuerwerk die Saison eröffnet oder den Gewinn eines Titels feiert. Aber alles muss unter Kontrolle sein, darum geht es. Der Zuschauer soll sich nicht aktiv beteiligen, sondern sich passiv verhalten und das konsumieren, was man ihm vorlegt. Stimmung ist nicht gänzlich unerwünscht, aber soll nur auf die Weise geschaffen werden, wie sich das der Verein vorstellt. Klatschpappen müssen eben reichen.

Schlechte Aussichten

In München hat sich in den letzten fünf Jahren also herzlich wenig Positives getan in Sachen Stimmung. Hoffnung auf eine Verbesserung ist kaum in Sicht, da man beim FC Bayern Gefallen am modernen Fußball gefunden hat und die Inszenierung eines Fußballspiels weiter perfektionieren will. Man wird weiter daran arbeiten, dass alles nach Plan läuft, doch eine Variable werden auch die Münchener nicht gänzlich unter Kontrolle bringen: Was zählt, ist auf dem Platz. Spiele werden immer noch dort entschieden und das ist auch gut so.

Anmerkung: es handelt sich hierbei um einen Artikel, der zwar bereits im November letzten Jahres verfasst wurde, den Lesern von Im Flutlicht aber dennoch nicht vorenthalten bleiben soll 😉

Karriereausfahrt München

Zum Wechsel von Jan Kirchhoff zum FC Bayern München
Er ist nicht das erste hJan Kirchhoffoffnungsvolle Talent, das nach einem ersten Karrierehoch zum FC Bayern München wechselt. Und er wird auch nicht der Letzte sein, der diesen fatalen Fehler macht und meint, den Anforderungen beim deutschen Rekordmeister gewachsen zu sein.

Jan Kirchhoff spielt zweifelsohne eine klasse Saison bei seinem Verein Mainz 05, einem der Überraschungsteams der abgelaufenen Hinrunde. Das Team von Coach Thomas Tuchel belegt derzeit den 6. Tabellenplatz und der Defensivstratege hat dazu auch einen ordentlichen Teil beigetragen. Auch hat er verlautbaren lassen, dass er seinen Vertrag bei den Rheinländern nicht verlängern würde und wurde bereits mit Vereinen wie Schalke 04 in Verbindung gebracht. Doch dass er nun zum deutschen Rekordmeister an die Isar wechselt, kommt einem Paukenschlag gleich.

Auf Karrierehoch folgt Karriereknick

Dabei ist der gelernte Innenverteidiger nicht der Erste, der in einer noch frühen Phase seiner Karriere den Sprung zum FC Bayern wagt. Schon viele junge Talente, die sich bei ihrem Verein in nur kurzer Zeit zum Leistungsträger entwickelt hatten, wechselten bald darauf zu den Münchnern. Von Tobias Rau über Jan Schlaudraff und Alexander Baumjohann bis hin zu Nils Petersen. Diese Liste könnte noch beinahe endlos weitergeführt werden. Alle versprachen sie sich einen Karrieresprung und träumten vom großen Geld und internationalen Auftritten. Für manche Spieler, meint man zu glauben, wäre es wohl besser gewesen, wenn sie sich den Song der Toten Hosen über die Bayern öfter angehört hätten. Vielleicht hätte dies den ein oder anderen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Doch die bayerische Realität gestaltete sich anders: die meisten von ihnen wärmten ausschließlich die Bank und verließen den Rekordmeister nach nur kurzer Zeit wieder. Unterm Strich stand bei den meisten verlorene Zeit, denn neben mangelnder Spielpraxis ging das oftmals kurze Intermezzo bei den Bayern für viele auch noch mit einem sportlichen Abstieg einher. Viele fanden sich dann bei mittelmäßigen Erstligaklubs oder sogar in der zweiten Bundesliga wieder, an eine Karriere als internationaler Topstar war nicht mehr zu denken. Einzig der Geldbeutel profitierte vom Engagement beim deutschen Rekordmeister. Ob dies jedoch den gewaltigen sportlichen Rückschlag aufwiegt, bleibt fraglich. Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Spieler, die es Rau und Petersen gleich tun und zu den Bayern wechseln.

Bayerische Transfertradition

Eine Frage, die sich dabei jedoch zwangsläufig aufdrängt ist folgende: Warum kauft der FC Bayern immer wieder Spieler, die den Durchbruch höchstwahrscheinlich nicht schaffen und außerdem den Verein oftmals noch eine Menge Geld kosten? Die Antwort darauf ist ganz simpel die bayerische Tradition, der Konkurrenz die Spieler wegzukaufen. Jedoch muss dabei in zwei Kategorien unterschieden werden: es gibt Spieler wie z.B. Giovane Elber, Claudio Pizarro (bei seinem ersten Wechsel nach München), Paulo Sergio, Zé Roberto und Michael Ballack, durch deren Transfer die Bayern ihre direkte Konkurrenz (z.B. damals Leverkusen) direkt schwächten. Außerdem konnten sich diese Spieler in den meisten Fällen erfolgreich in München durchsetzen und gehörten fortan zum Stammpersonal. Zur zweiten Kategorie gehören Spieler wie Schlaudraff&Co.: diese Spieler kaufen die Bayern nur, um die Konkurrenz indirekt zu schwächen. Denn trotz fantastischer Hinrunde werden die Mainzer von den Bayern wohl kaum als Konkurrenz gesehen, aber andere Vereine, wie z.B. Schalke 04, die auch ihr Interesse an Kirchhoff bekundeten, gelten da schon eher als potenzielle Gefahr. Und da bei den Münchnern der Geldbeutel bekanntermaßen etwas lockerer sitzt, werden solche Talente gekauft, weil man nicht will, dass die Konkurrenz billig an gute, junge Spieler kommt und dadurch stärker wird.

Lose-Lose-Lose

Zudem lassen sich diese teilweise höchst fragwürdigen Transfers noch unter einem anderen interessanten Aspekt beleuchten: Leihgeschäfte boomen in den letzten Jahren wie noch nie zuvor. Oftmals wird dabei von einer Win-Win-Win Situation gesprochen, da beide Vereine und der Spieler selbst vom Leihgeschäft profitieren. Der verleihende Verein bekommt nach Ende der Ausleihe einen Spieler zurück, der Spielpraxis gesammelt hat, der ausleihende Verein erhält für wenig Geld ein vielversprechendes, gut ausgebildetes Talent, und nicht zuletzt der Spieler selbst profitiert am meisten, da er seine Einsatzzeiten bekommt und nach Ablauf des Leihgeschäfts in gestärkter Position zu seinem Verein zurückkehrt. Ein glänzendes Beispiel dafür sind die Ausleihgeschäfte von Bayer Leverkusen an den 1. FC Nürnberg in jüngerer Vergangenheit oder aber auch Philipp Lahm, der, bevor er beim FC Bayern zum unverzichtbaren Stammspieler wurde, an den VfB Stuttgart ausgeliehen wurde. Angesichts dessen könnte man bei den Transfers junger Spieler wie Baumjohann etc. zu den Bayern von einer Lose-Lose-Lose Situation sprechen, da der abgebende Verein eine wichtige Stütze verliert, die Bayern eine Menge Geld auf den Tisch legen für einen Spieler, der lediglich die Bank wärmt und der Spieler selbst eben dort versauert und sich die Karriere kaputt macht.

Ausnahmefall Dante?

Abschließend gilt es noch, den Transfer Dantes im letzten Sommer zu betrachten: viele sahen auch in ihm eine Fortsetzung dieser Personalpolitik und nur wenige trauten ihm zu, sich in München durchzusetzen. Zwar profitierte der Brasilianer vom Verletzungspech der Konkurrenz, doch es bleibt zu vermuten, dass er sich auch ohne diesen Umstand durchgesetzt hätte, denn er wirkt bei den Bayern fast noch stärker als zu seinen Gladbacher Zeiten und ist eine feste Größe in der Innenverteidigung der Münchner und hat großen Anteil daran, dass der Herbstmeister auf dem besten Weg ist den Gegentorrekord zu knacken. Gerade deshalb wird es für Kirchhoff besonders schwierig werden, denn die Bayern besitzen auf der Innenverteidigerposition und im defensiven Mittelfeld, wo der Mainzer bisweilen auch zum Einsatz kommt, Leute wie Martinez, Schweinsteiger, Luiz Gustavo, Boateng, Badstuber und besagten Dante. Man mag es Kirchhoff nicht wünschen, dass es ihm so ergeht wie schon vielen zuvor, aber der Eindruck, dass genau dasselbe Szenario eintreten wird, drängt sich stark auf. Doch gerne darf er all die vermeintlichen Fußballexperten Lügen strafen und es Dante gleich tun.

„Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun.“ – Paul „Gazza“ Gascoigne